Inhalt: Das Heft erzählt John Lennons Weg von „All You Need Is Love“ (1967) bis zu seinem Tod 1980 als Montage. Liedtexte in eigener deutscher Übertragung, Aussagen Lennons, Tabellen und Zeitleisten zum Weltgeschehen wechseln sich ab, jedes Jahreskapitel beginnt mit einer Chronik. Dazu kommen eine Nachbemerkung, eine Diskografie mit den Ostblock-Ausgaben, ein Anmerkungsapparat mit Literaturverzeichnis und die Eigenwerbung der Reihe „profil“. Eine Methodik im engeren Sinn, also Spieltechnik oder Moderation, bietet es nicht. Es liefert Stoff zum Ansagen und zum Nachschlagen. Behandelt werden unter anderem die Bed-Ins, „Give Peace a Chance“, Lennons Auseinandersetzung mit Arthur Janovs „Urschrei“, „Imagine“, „Sunday Bloody Sunday“, die NUTOPIA-Proklamation und „Double Fantasy“. Auf Seite 61 steht der Dankesbrief Yoko Onos nach Lennons Tod.
Autor: Andreas Peglau. Ob er mit dem späteren Psychoanalytiker gleichen Namens identisch ist, der von 1985 bis 1991 als Redakteur beim Jugendradio DT 64 arbeitete, ist nicht belegt. Die bpb führt das Heft mit seinem Namen als Lennon-Titel der DDR. Graphische Gestaltung: Florian Morgenstern, Lektorat: Christine Wagner.
Historischer Kontext: „profil extra“ gehört zur Leipziger Reihe „profil: Methodik zur Tanzmusik“ der Zentralhaus-Publikation, die sich an Tanzmusiker richtete. Die Beatles waren in der DDR lange umstritten, nach Lennons Tod im Dezember 1980 wurde er dort zum Friedenskämpfer und „Helden der Arbeiterklasse“ stilisiert. Das Heft von 1987 steht in dieser Linie, setzt aber in der Nachbemerkung eigene Vorbehalte: Die Formel „All You Need Is Love“ sei allein kein tragfähiges Konzept, das „?!“ auf der Titelseite des Schlussteils deutet es an. Zeitgenössische Kritiken, Auflagenzahl und Nachauflagen sind nicht nachgewiesen.
Was dieses Buch heute interessant macht: Der Apparat ist für ein Heft dieser Reihe ungewöhnlich sorgfältig. Fast jeder Absatz trägt eine Fußnote, belegt wird überwiegend mit westdeutschen Taschenbüchern, und das „fiktive Interview“ ist als Montage gekennzeichnet. Der Haupttext dagegen deutet parteilich: Die Zeitleisten sprechen vom „US-Verbrechen“ und von „Söldnern“, östliche Gewalt kommt darin nicht vor. Auf den Seiten 26 und 27 stehen Komponistenstimmen, ein Ku-Klux-Klan-Zitat und Kurt Hagers Urteil über die Beatles unkommentiert nebeneinander. Als Lennon-Biografie ist das Heft überholt, als Zeitdokument über Popvermittlung und Friedensrhetorik im Herbst der DDR ergiebig. Die Fotos sind grob gerastert, das große Porträt über die Seiten 40 und 41 ist das stärkste Bild.
Ausgabe: Zentralhaus-Publikation, Leipzig 1987. Broschur, 80 Seiten, Schwarzweißfotos. Preis 3,20 M, DDR-Bestellnummer 802 482 9, ISBN 3-7444-0009-3. Redaktionsschluss 1. September 1986, Gesamtherstellung Typodruck, Bereich Döbeln. Der Umschlag zeigt ein Lennon-Porträt in Rot und Schwarz.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand sehr gut. Minimale Gebrauchsspuren, Ecken und Kanten leicht berieben.










