Inhalt: Wilhelm Strube erzählt das Leben des Chemikers Justus von Liebig als Folge von Szenen. Es beginnt 1818 in Darmstadt, wo der fünfzehnjährige Justus in der Schule nicht vorankommt und vom Professor vorgeführt wird. „Chemiker? Was ist das für ein komischer Beruf!“ heißt es auf Seite 8, und tatsächlich gab es den Beruf damals kaum. Justus schwänzt für Experimente, schaut einem Quacksalber auf dem Jahrmarkt zu, beginnt eine Apothekerlehre in Heppenheim und fliegt dort nach einer Explosion in der Dachkammer hinaus. Es folgen Studium in Bonn und Erlangen und die Flucht nach Nürnberg 1822. Laut Inhaltsverzeichnis reicht das Buch weiter über Paris, Gießen, den Patentdünger und die Revolution von 1848 bis zum „Abschied“.
Autor: Wilhelm Strube (1925 bis 1999) war Chemiehistoriker und Schriftsteller. In der DDR arbeitete er an der Akademie der Wissenschaften und schrieb Jugendbücher über Forscher, darunter über Marie Curie und Johannes Kepler. Das Nachwort nennt seine Methode: Zeugnisse aus Liebigs Briefen und Aufzeichnungen seien „den Quellen getreu nachgestaltet“, Gedanken und Gespräche zum Teil also Nachdichtung. Illustrationen: Karl-Heinz Birkner, Leipziger Grafiker, mit Federzeichnungen im Text.
Historischer Kontext: Das Buch erschien zuerst 1965 im Kinderbuchverlag Berlin, diese zweite Auflage trägt die Lizenznummer mit der Jahreszahl 69. Weitere Ausgaben folgten 1972 und 1979. Das Impressum empfiehlt es „für Leser von 13 Jahren an“. Wissenschaftsgeschichte für Jugendliche passte zum Bildungsanspruch der DDR-Jugendliteratur, und das merkt man: Mehrere Erzählerexkurse deuten Liebigs Hindernisse in der Begrifflichkeit der marxistischen Geschichtsschreibung, mit Feudalherren, Zünften und Karlsbader Beschlüssen als Gegenspielern.
Was dieses Buch heute interessant macht: Am besten ist es dort, wo es erzählt statt erklärt: der Quacksalber mit seinem „Mixtum, Mixtorum Essentia“, die Detonation in Heppenheim, das schulmüde Kind, das seine Fragen an die falschen Lehrer richtet. Die Geschichtsexkurse sind dagegen lehrbuchhaft und bremsen die Handlung. Gerade das macht den Band als Zeitdokument lesbar: Man sieht, wie die DDR Naturwissenschaft und Obrigkeitskritik zusammenband. Das Nachwort sagt offen, dass Quelle und Nachgestaltung gemischt sind.
Ausgabe: Der Kinderbuchverlag Berlin, 1969, 2. Auflage, 218 Seiten. Pappband mit farbig illustriertem Einband (Laborszene in Blau und Grün) und grauem Leinenrücken. Satz und Druck: Karl-Marx-Werk Pößneck. Widmung „Meinen Eltern“, Nachwort des Autors. Das Erscheinungsjahr ergibt sich aus der Lizenznummer, im Impressum steht es nicht ausgeschrieben.
Erhaltungszustand: Sehr gut. Tadelloser Zustand, wie unbenutzt.










