Inhalt: Christine, genannt Tine, ist kurz vor sechzehn und erzählt in der Ich-Form von einem Sommer auf dem Dorf. Sie will mit fünf Freunden zelten fahren, doch Eltern und Großeltern verbieten es, ohne einen Grund zu nennen. Tine fährt mit dem Moped heimlich los und lässt einen Brief im Haus zurück. Am See folgen Streit um den Küchendienst, eine Fischsuppe, ein gestohlenes Huhn und der Überfall dreier Berliner Jungen auf das Floß. Im Hintergrund streiten der Vater, LPG-Funktionär und Parteimitglied, und der Großvater über Kooperation und ein neues Schweinekombinat. Wie die Geschichte ausgeht, steht im Buch und nicht hier.
Autoren: Hildegard Schumacher (1925 bis 2003) und Siegfried Schumacher (1926 bis 2018) schrieben als Ehepaar gemeinsam Kinder- und Jugendbücher, mehr als 30 sind es geworden. Beide waren Lehrer und besuchten das Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Seit 1962 lebten sie in Bad Freienwalde, wo sie 1964 Schreibzirkel für Schüler gründeten. Ihr erstes gemeinsames Kinderbuch, „Ramme sucht Beweise“, erschien 1965. Ihr Titel „Der Junge mit dem großen schwarzen Hund“ wurde 1986 verfilmt, eine Verfilmung von „Kirschenkosten“ ist nicht belegt.
Illustrationen: Eberhard Neumann gestaltete den Einband und zeichnete die Illustrationen, die Typografie stammt von Uschi Kosa. Die Federzeichnungen mit grauer Wischlavur stehen als freie Vignetten im Text und begleiten ihn eher, als dass sie eine eigene Ebene bilden. Am besten sind die stillen Szenen: Vater und Tochter von hinten am Zaun, der Großvater im Zylinder auf dem Kutschbock. Der Einband ist dagegen pastellfarben gemalt und zeigt eine Reiseschreibmaschine und einen Spielzeuglöwen.
Historischer Kontext: Der Roman erschien 1978 im Verlag Neues Leben, der 1946 im Umfeld der FDJ gegründet wurde und zu den großen Jugendverlagen der DDR zählte. Die vorliegende Ausgabe ist eine „berechtigte Ausgabe“ für den buchclub 65, der Neues-Leben-Titel für seine Abonnenten nachdruckte. Der Vorzugspreis im Impressum beträgt 3,80 M. Zu Auflagenhöhe und zeitgenössischer Kritik gibt es keine belastbaren Angaben.
Was dieses Buch heute interessant macht: Der Ton ist umgangssprachlich, selbstironisch und dialogreich, belehrt wird wenig. Die Amtssprache der Zeit, von der Prämienverteilung bis zum „volkseigenen“ Huhn, wird von den Jugendlichen ins Komische gewendet. Dahinter steht ein Streit, der nicht an die DDR gebunden ist: Wer darf entscheiden, und wie redet man miteinander? Tine fasst es so: „Wie ungeübt waren wir darin, miteinander zu reden, wir alle in unserm Haus.“ (S. 38). Die Erwachsenen sind weder Feindbilder noch Vorbilder, und der Großvater behält seine Argumente. Das Buch zeigt ein Landleben, in dem die Kollektivierung zum Familienthema geworden ist. Die Analyse stützt sich auf die Seiten 5 bis 101 von 272; über den Schluss des Romans lässt sich hier nichts sagen.
Ausgabe: Verlag Neues Leben, Berlin, Berechtigte Ausgabe für den buchclub 65, Berlin 1981 (© Verlag Neues Leben 1978). Pappband mit illustriertem Einband, 272 Seiten, Schrift 10 p Garamond. Lizenznummer 303 (305/165/81), LSV 7501, DDR-Bestellnummer 643 229 8. Lichtsatz Druckerei Neues Deutschland, Druck und Binderei Karl-Marx-Werk Pößneck.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand sehr gut, minimal berieben.






