Inhalt: In der Lehrwerkstatt eines volkseigenen Betriebs, der „Tewa“, streiten die Lehrlinge Fred und Inge darüber, ob man Krankheiten hinnehmen muss oder ihnen vorbeugen kann. Freds Anhänger heißen Fredianer, die von Inge Ingenesen. Als Schiedsrichter dient der Betriebsarzt Dr. Frieder. An Gruppenabenden führt er die Lehrlinge durch den Körper: Knochen, Muskeln, Zähne, Blut, Herz, Atmung und Verdauung, dazu Tuberkulose, Impfung und die Geschichte der Medizin. Er arbeitet mit Versuchen zum Nachmachen, etwa einem ausgeglühten Knochen oder einem bebrüteten Hühnerei, in dem das Herz zuckt. Dazu kommen Zahlen und Technikvergleiche: Der Oberschenkelknochen ist ein Kran, das Herz eine Taschenuhr. Der Streit der Titelfiguren wird nicht ausgetragen, am Ende gilt er als entschieden.
Autor: Willy Steiger. Biografische Angaben zu ihm sind nicht belegt; ein gleichnamiger Reformpädagoge (1894 bis 1976) ist nicht als derselbe Autor nachgewiesen. Weitere Werke und Stellung in der DDR sind unbekannt.
Illustrationen: Erich Gürtzig (1913 bis 1993), ab 1949 freiberuflicher Kinderbuchillustrator, zeichnete den Schutzumschlag, den Einband und die Szenenbilder im Text. Rudolf Feuchter lieferte die wissenschaftlichen Zeichnungen. Es sind Strichzeichnungen, die dem Text dienen. Die besten Einfälle übersetzen Zahlen ins Anschauliche, etwa zwölf Kinder auf einem Knochen oder Blutkörperchen, die fünfmal um die Erde reichen.
Historischer Kontext: Das Buch erschien 1954 im Kinderbuchverlag Berlin, dem Zentralverlag für Kinderliteratur der DDR. Das Impressum nennt die 2. Auflage, 16. bis 25. Tausend, und die Altersangabe „Für Leser von etwa 12 Jahren an“. Mindestens 25.000 gedruckte Exemplare sind damit belegt. Zur Erstausgabe, zu Rezensionen und zum Schuleinsatz gibt es keine belastbaren Angaben. Die Rahmung ist deutlich politisch: Rachitis wird mit englischer Kinderarbeit erklärt und mit einem Engels-Auszug belegt, Stalin, Pieck und die Aktivistenbewegung dienen als Autoritäten und Vorbilder. Im Buch heißt es: „Der politische Kampf entscheidet also sogar über unsere Gesundheit!“ (S. 13).
Was dieses Buch heute interessant macht: Als Jugendsachbuch ist es handwerklich gut gemacht, lesbar und stellenweise witzig, als Erziehungsschrift aber unverkennbar parteilich. Der Körper erscheint als Maschine und Arbeitskraft, Gesundheit vor allem als Voraussetzung guter Arbeit. Auch der Wissensstand ist zeitgebunden: Wunden nicht auswaschen, kalte Fußbäder gegen Nasenbluten, kranke Zähne als Ursache von Rheuma. Diese Ratschläge sind heute nicht als Anleitung zu lesen. Wer sehen will, wie sich Hygiene, Impfwesen und Sozialpolitik der frühen DDR in einer Lehrlingsgeschichte darstellten, findet hier ein anschauliches Zeitdokument. Die Analyse stützt sich auf einen Ausschnitt von 90 der 140 Seiten, der laut Inhaltsverzeichnis das ganze Buch abdeckt, im Mittelteil mit Lücken.
Ausgabe: Der Kinderbuchverlag Berlin, 1954, 2. Auflage, 16.–25. Tausend. Pappband mit Schutzumschlag, 140 Seiten. Lizenznummer 304-270/98/54, DDR-Bestellnummer 3702. Satz und Druck VEB Leipziger Druckhaus, Leipzig (III/18/203). Redaktion Karl-Heinz Golka.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand gut. Der Schutzumschlag ist berieben und hat Randläsuren, im Buch steht ein Namenseintrag. Innen ist der Zustand für das Alter sehr gut.










