Worum es geht: Dieser Feuilletonartikel behandelt Das blaue Zauberband, ein sorbisches Volksmärchen, nacherzählt von Paul Völkel und illustriert von Thomas Schleusing, erschienen 1982 im VEB Domowina-Verlag Bautzen. Der Essay fragt, was ein Kinderbuch aus dem einzigen sorbischen Verlag der DDR heute noch trägt — und was es über die Leute verrät, die es gemacht haben.
Inhalt: Ein armer Holzfällersohn namens Jan wird von seiner bösen Stiefmutter in die Welt geschickt. Unterwegs schenkt ihm ein Hase, dem er im Winter Futter gab, ein blaues Band, das ihn übermenschlich stark macht. Jan besteht drei Prüfungen bei einem menschenfressenden Riesen, besiegt zwölf Löwen, befreit eine ägyptische Königstochter aus einem Kellerverlies — und verliert fast alles, als er der Stiefmutter naiv das Geheimnis seines Bandes verrät. Die Löwen retten ihn, ein Hase heilt seine Blindheit, und er findet seinen Weg nach Ägypten, zur Prinzessin und zum Glück. Das Märchen verbindet Lausitzer Waldwelt mit orientalischer Weite und ist in seiner Erzählstruktur überraschend komplex.
Über die Macher: Paul Völkel war Sorbist und Lexikograf, Herausgeber des maßgeblichen Handbuchs der obersorbischen Rechtschreibung (1962). Seine Nacherzählungen behalten den Atem der mündlichen Überlieferung. Thomas Schleusing, ausgebildet bei Werner Klemke und Klaus Wittkugel an der Hochschule Berlin-Weißensee, Mitgründer der Gruppe 4, Kunstpreisträger der DDR 1978, hat Illustrationen geschaffen, in denen Figuren fliegen, stürzen und kopfüber von Ästen hängen — eine Bildsprache, die der Märchenlogik des umgekehrten Kräfteverhältnisses folgt.
Erhaltungszustand: Gut. Ecken etwas berieben, innen sauber und vollständig.
Verlag & Ausgabe: VEB Domowina-Verlag Bautzen, 3. Auflage 1986 (Erstauflage 1982). Gesamtherstellung: GG Sachsendruck Plauen.


