Bibliografische Daten
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Titel: Das Mädchen und der Junge
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Autor: Günter Görlich
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Illustrationen: Wolfgang Würfel
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Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin
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Auflage / Erscheinungsjahr: 2. Auflage, 1982 (Erstausgabe 1981)
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Gesamtherstellung: Karl-Marx-Werk Pößneck (Betriebsnummer: V 15/30)
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Literaturstandardnummer (LSV): 7501
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Bestellnummer: 631 215 7
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Originalpreis (EVP): 5,40 M
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Lesealter: Empfohlen ab 12 Jahren
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Einband: Fester Einband (gebunden)
Inhaltliche Zusammenfassung
Der Roman schildert die Annäherung und die spätere Konfliktentwicklung zwischen zwei Jugendlichen im Ost-Berlin der frühen 1980er Jahre. Die Handlung beginnt im Februar mit einem Zusammenstoß auf einer Eisbahn, bei dem die 14-jährige Katrin Schumann durch die Schlittschuhkufe des gleichaltrigen Frank Lessow eine Fleischwunde am Bein erleidet. Frank leistet erste Hilfe, bringt sie in die Poliklinik und initiiert in der Folgezeit regelmäßige Treffen in der Stadt.
Im weiteren Verlauf entwickelt sich zwischen beiden eine Partnerschaft, die jedoch durch die ausgeprägten Milieuunterschiede ihrer Familien und familiäre Krisen belastet wird. Katrin bricht für Frank tradierte familiäre Rituale auf, wie den gemeinsamen Winterurlaub mit ihrem Vater in einer ländlichen Holzhütte. Nach einer Annäherung Franks an Katrins Familie und einer gemeinsamen Reise nach Stralsund und Rügen eskaliert die Situation im Frühjahr. Franks Mutter trennt sich überraschend von dessen Vater, um aus einer von ihr als einseitig empfundenen Ehe auszubrechen. Frank, traumatisiert durch den Zerfall seines Elternhauses, versucht daraufhin, Katrin emotional an sich zu binden, und stellt ihr am Tag ihrer Jugendweihe ein Ultimatum: Sie soll eine geplante Klassenreise nach Prag absagen, um ihn zu begleiten. Katrin verweigert die Unterwerfung unter diesen Kontrollanspruch, was zur Trennung führt. Der Roman endet mit der Abreise Katrins nach Prag und der Reflexion über psychische Reifeprozesse.
Thematische Schwerpunkte
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Soziologische Milieustudie: Das Werk kontrastiert detailliert zwei gesellschaftliche Schichten innerhalb der DDR. Auf der einen Seite steht Katrins Familie als Vertreter der klassischen Arbeiterschaft (der Vater ist Handwerker im Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Warschauer Straße, die Mutter Arbeiterin im Kombinat VEB Berliner Glühlampenwerk „Narva“), ansässig in einem Friedrichshainer Altbau. Auf der anderen Seite wird Franks Elternhaus im bürgerlich geprägten Wilhelmsruh als Prototyp der privilegierten Funktionsintelligenz dargestellt (der Vater ist forschungsleitender Diplomingenieur und „Reisekader“ mit NSW-Reiseprivileg, eigenem Lada, Telefonanschluss und ausgeprägtem rational-transaktionalen Denken).
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Adoleszenz und Emanzipation: Im Mittelpunkt steht Katrins Entwicklung von der kindlichen Geborgenheit des Elternhauses hin zu einer autonomen, selbstbestimmten Persönlichkeit. Ihre finale Weigerung, Franks besitzergreifendes Ultimatum zu erfüllen, bricht mit den Konventionen klassischer Liebeserzählungen und betont die Notwendigkeit individueller Integrität.
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Ehestrukturen und weibliche Selbstverwirklichung: Durch den Abschiedsbrief von Franks Mutter Elvira thematisiert der Roman die ungleiche Verteilung von häuslichen Dienstleistungen und beruflicher Anerkennung in der DDR-Gesellschaft sowie den bewussten Ausbruch einer Frau aus patriarchalischen Strukturen.
Visuelle Gestaltung und Buchkunst
Die grafische Ausstattung von Wolfgang Würfel bricht mit den Konventionen des plakativen Sozialistischen Realismus. Die im Buch enthaltenen Bleistiftzeichnungen und die Covergestaltung arbeiten mit psychologisierten Perspektiven, extremen Größenverschiebungen (wie dem überdimensionierten verbundenen Fuß auf dem Cover) und schwebenden Bildelementen, die Tagträume, Isolation und die innere Zerrissenheit der Jugendlichen visualisieren.


