Inhalt: Jurij Brězans „Christa. Die Geschichte eines jungen Mädchens“ ist einer der großen Klassiker der DDR-Jugendliteratur und wurde zwischen 1957 und 1987 in 28 Auflagen herausgebracht — ein seltener Beleg für den Kanon-Status dieses Buches in der DDR-Schullektüre und Jugendbibliothek.
Die vierzehnjährige Christa wächst glücklich bei den Forstleuten Lensch am Rande des Luchwaldes auf. Doch sie ist nicht ihre leibliche Tochter: 1938, in der Reichspogromnacht, hat das Dienstmädchen Lena das Baby einer ermordeten jüdischen Mutter aus Leipzig gerettet und zu den Lenschs in den Wald gebracht. Als der leibliche Vater, der opportunistische Textilkaufmann Hans Hagen, nach vierzehn Jahren plötzlich vor der Tür steht und das Mädchen zurückfordert, beginnt für Christa eine Reise zwischen zwei Welten — zwischen der schlichten Wärme des Hegerhauses und der kalten bürgerlichen Villa in Radebeul.
Zur literarischen Bedeutung: Brězan gelingt etwas, was im DDR-Jugendbuch der 1950er Jahre selten gelang: Er verbindet den staatlich erwünschten antifaschistischen Erziehungsauftrag mit einer psychologisch genau beobachteten Coming-of-Age-Geschichte. Die Kirmesszene mit der Luftschaukel, das Motiv des Lebkuchenherzens, Christas Tagebuch-Kapitel und die dramatische Entlarvung des Vaters gehören zu den dichtesten Passagen der frühen DDR-Literatur. Die 28 Auflagen sprechen für sich.
Zum Autor: Jurij Brězan (1916–2006) war der bedeutendste sorbische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, langjähriger Vizepräsident des DDR-Schriftstellerverbandes und Nationalpreisträger. Seine Werke verbinden das humanistisch-sozialistische Menschenbild mit einer tiefen Verwurzelung in der ländlichen Lausitz.
Illustrationen: Eberhard Binder-Staßfurt (1926–2006), einer der stilprägenden DDR-Buchkünstler. Sein expressiver Tuschestil und das markante Umschlagdesign mit dem wuchtigen Fahrrad vor türkisgrünem Grund machen diese Ausgabe visuell unverwechselbar.
Ausgabe: Verlag Neues Leben, Berlin, 28. Auflage 1987. Halbleinen mit farbigem Bildumschlag, türkisgrüner Schnitt. 190 Seiten. Schrift 10p Garamond. Gesamtherstellung im Karl-Marx-Werk Pößneck. ISBN 3-355-00421-9.
Zustand: Sehr gut. Leicht berieben, altersgemäße Papierbräunung.


