Heftübersicht: PRAMO, die „Praktische Mode“, ist ein Heft zum Selbstschneidern. Die Oktoberausgabe 1969 ist ein Wintervorbereitungsheft. Auf den Seiten 4 und 5 steht Männermode zum Selbernähen, auf den Seiten 6 und 7 stehen Hosenanzüge und Kniebundhosen für den Skiurlaub. Es folgen Kombinationen aus Rock, Bluse, Weste und Pullover für „berufstätige Frauen und Mädchen“ (S. 8 bis 11), Tageskleider (S. 12/13), zwei Strecken unter der Überschrift „Im reiferen Alter“ (S. 14 bis 17) und Handspielpuppen aus Stoffresten als Fortsetzung einer Serie (S. 18/19). Kinderwintermode in Dederon steht auf den Seiten 20 und 21, Rezepte vom Schwein auf den Seiten 22 und 23, ein kleiner Schneiderkursus zum Einarbeiten von Reißverschlüssen auf den Seiten 24 und 25. Die letzte Doppelseite zeigt Rückansichten aller Modelle und Anzeigen, unter anderem für Certo-Kameras.
Zur Zeitschrift: PRAMO erschien monatlich im Verlag für die Frau in Leipzig. Nach Wikipedia ging die erste Ausgabe im Januar 1948 heraus, eingestellt wurde das Heft 1993. Anders als die „Sibylle“ desselben Verlags legte es seinen Heften Schnittmusterbogen bei. Die Auflage des Jahres 1969 ist nicht belegt. Redaktion laut Impressum: Antonie Janusch (verantwortlich), Doris Philipp (redaktionelle Bearbeitung), Layout Peter Bläsche. Der Heftpreis betrug 1,50 M.
Historischer Kontext: Zu jedem Modell nennt das Heft Größe, Stoffverbrauch in Metern, Stoffbreite, Schnittnummer und Bogen. Die Stoffe stammen aus namentlich genannten volkseigenen Betrieben, eine Dankliste führt zehn Stoffwerke und einen Knopfbetrieb auf. Ob sich die Stoffe im Handel finden ließen, verrät das Heft nicht; ein Nebensatz auf Seite 6 verweist nur darauf, dass auch „unser Handel“ fertige Borten anbiete. Einen politischen Pflichtteil gibt es nicht. Die Rahmung steckt in den Details, etwa in der strengen Figurberatung: Das Kleid im Kosakenstil verlangt laut Heft, dass die Trägerin „groß und gut proportioniert“ ist (S. 17).
Was dieses Heft heute interessant macht: Es zeigt, dass Kleidung 1969 für viele Leserinnen ein Eigenprodukt war: Der Stoff musste gefunden, der Schnitt gekauft, das Kleidungsstück selbst genäht werden. Dazu kommen Zeitdokumente im Kleinen, etwa die „Kosmonautenkappe“ aus Dederon (S. 20/21), die Werbung für bedruckte Malimostoffe (S. 12) oder die Eigenwerbung des Verlags mit Schnittmustern zu 1 M und 1,50 M, bezogen im Fachhandel oder per Nachnahme (S. 26/27). Wer Kleidung, Alltag und Werbung der späten Sechziger aus erster Hand sehen will, findet hier sauber gedruckte Zahlen, Preise und Betriebsnamen. Redaktionelle Zeitkritik sollte man nicht erwarten, das Heft ist durchweg Gebrauchstext.
Ausgabe: Verlag für die Frau, Leipzig, 1969. Heft 10, Index 32928, Lizenz-Nr. 1217, Einzelpreis 1,50 M. Broschur, geheftet, farbiger Umschlag, 24 Seiten. Druck: VEB Interdruck, III/18/97. Titelmodell ist eine Jacke mit pelzverbrämter Kapuze.
Erhaltungszustand: Sehr gut. Die Umschlagseite ist leicht berieben.








