Inhalt: Zwiebelchen, im Original Cipollino, lebt in einem Gartenreich, in dem Gemüse und Früchte wie Menschen handeln. Es gibt Wachen mit Spitzmützen, eine Herrschaft, die sich auf Besitz und Drohung stützt, und kleine Leute, die sich das nicht gefallen lassen. Die Handlung ist eine Satire auf ungerechte Macht, erzählt als Abenteuer: mit Aufruhr in der Gasse, einem Wohnwagen im Wald, einem Sturz vom Schrank und einer Flucht, bei der die Wachen am Ende ziemlich unwürdig den Hang hinunterrutschen. Der Untertitel auf dem Innentitel lautet „Ein Roman“.
Autor: Gianni Rodari (1920 bis 1980) wurde in Omegna am Orta-See geboren. Er arbeitete ab 1948 als Journalist bei der kommunistischen Zeitung L’Unità und ab 1950 als Redakteur der Kinderzeitschrift Il Pioniere. Seine ersten Bücher erschienen 1951, darunter Il romanzo di Cipollino, die Vorlage dieses Bandes. 1970 erhielt er die Hans-Christian-Andersen-Medaille. Die Übertragung aus dem Italienischen stammt laut Buch von Pan Rova.
Illustrationen: Raul Verdini, auf dem Innentitel genannt. Nach einer Handelsangabe zeichnete er schon die italienische Erstausgabe von 1951; ob die Bilder dieser Ausgabe die Originalzeichnungen sind, ließ sich nicht klären. Der Innenteil ist durchgehend mit schwarzen Federzeichnungen im Einfarbdruck ausgestattet, mit ganzseitigen Bildern und Zeichnungen, die über den Bund laufen. Feine Konturen stehen gegen tiefschwarze Flächen (Anzüge, Baumstämme, Nachthimmel). Die Bilder erzählen mit: Wer mächtig ist, ist groß und schwarz gezeichnet, wer bedroht wird, klein und hell. Das lässt sich ohne Text lesen. Der farbige Einband zeigt dagegen ein buntes Gewimmel aus Gemüse- und Obstfiguren in einem Korb, mit unregelmäßig gesetzten Buchstaben im Titel.
Historischer Kontext: Der Innentitel nennt Der Kinderbuchverlag Berlin und das Jahr 1954. Das Buch ist die deutsche Fassung eines italienischen Kinderbuchs aus der Feder eines Journalisten der kommunistischen Presse, und seine Gesellschaftssatire ist unübersehbar: Die Herrschenden sind grimmig und steif, die Kleinen halten zusammen. Wie das Buch in der DDR aufgenommen wurde, welche Auflage es hatte und ob 1954 die erste deutsche Ausgabe ist, haben wir nicht belegen können. Spätere Ausgaben sind nach Handelsangaben 1961 im selben Verlag und 2002 im Leipziger Kinderbuchverlag erschienen.
Was dieses Buch heute interessant macht: Man sieht an ihm, wie früh und wie selbstverständlich politische Satire im Kinderbuch stehen konnte, und zwar in einer Form, die Kinder auch ohne Vorwissen verstehen: Die Bilder zeigen sofort, wer droht und wer sich fürchtet. Für Sammler von Rodari, von Kinderbuchillustration der frühen Fünfziger und vom Kinderbuchverlag Berlin ist die Ausgabe von 1954 ein Stück Druckgeschichte mit Einfarbdruck auf einfachem, leicht holzhaltigem Papier.
Ausgabe: Der Kinderbuchverlag Berlin, Berlin 1954. 196 Seiten. Pappband mit farbig bedrucktem Bezug und orangerotem Leinenrücken mit schwarzer Prägung. Einfarbige Federzeichnungen. Übersetzer, Auflage, Lizenznummer, Druckerei und Preis sind auf den vorliegenden Seiten nicht dokumentiert.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand befriedigend. Einband, Ecken und Kanten sind deutlich berieben, die Bindung ist intakt. Der Bezug ist fleckig, der Rücken an Kopf und Fuß abgerieben. Das Papier zeigt leichte Stockflecken, wie bei einfachem Papier dieser Zeit üblich. Die Spiegel sind unbedruckt und an den Ecken beschädigt. Sammlerstück mit Gebrauchsspuren, zum Lesen und zum Zeigen geeignet.








