Inhalt: George Moses Cotter, ein schwarzer Maschinenschlosser aus den Südstaaten, nimmt einen Vertrag der Creole Petroleum Corporation in Venezuela an. Er will sich damit ein Technikstudium finanzieren. Schon die Anreise zeigt ihm, wie die Hautfarbe sein Leben bestimmt: Rassentrennung auf dem Weg zum Flugzeug, Polizeiaufgebot, Misstrauen. In der Konzernzentrale schiebt man ihn wegen seiner Hautfarbe ins abgelegene Dschungellager „Camp 87“, das die Arbeiter „Campo diablo“ nennen. Dort sitzen die Angestellten der Gesellschaft rechts in Büros und Bungalows, die venezolanischen Arbeiter links in selbstgezimmerten Hütten. Die Arbeiter rufen Cotter „Yanki“ nach. Dann streiken sie, und Cotter gerät zwischen Lagerleitung, Streikbrecher, Militär und die Buchhalterin Helen Shelton, die den Streikenden hilft. Wie es ausgeht, bleibt hier offen.
Autor: Arne Leonhardt schrieb „Camp 87“ für den Verlag Neues Leben. Eine Suche nennt unter demselben Namen „Im Dämonenwald“ (Neues Leben, 1966); ob es derselbe Autor ist, ist nicht gesichert. Weitere Angaben zur Person fanden sich nicht. Illustrationen: Rudolf Grapentin, der auch Einband und Schutzumschlag gestaltet hat. Die Typografie besorgte Gerhard Ch. Schulz.
Historischer Kontext: Der Band erschien 1964 in der Reihe „Spannend erzählt“, zwei Jahre nach der Kubakrise. Er verbindet zwei Themen, die in der DDR-Publizistik der Zeit geläufig waren: die Anklage der Rassentrennung in den USA und die Kritik an amerikanischen Konzernen in Lateinamerika. Das ist eine Einordnung aus dem Inhalt; Quellen zur Entstehung oder zu zeitgenössischen Besprechungen fanden sich nicht. Belegt ist eine Lizenzausgabe des Buchclubs 65 von 1965 mit 260 Seiten und denselben Illustrationen. Über Auflagenhöhen sagt das nichts.
Was dieses Buch heute interessant macht: Der Roman erzählt Rassismus als Merkmal des Kapitalismus und macht es sich dabei streckenweise leicht: Wer für den Konzern arbeitet, ist feige oder verdorben, wer streikt, ist standhaft. Interessant ist die Hauptfigur zwischen den Fronten. Cotter wird in Venezuela verschont, weil er US-Bürger ist: „Daß Sie noch leben, verdanken Sie Ihrer Staatszugehörigkeit.“ (S. 186). Das Buch kritisiert Rassismus und übernimmt zugleich dessen Sprache. Es verwendet durchgehend die damals übliche Bezeichnung „Neger“, Figuren sagen auch „Nigger“, und die Köchin Mam Rose ist in Kolonialklischees gezeichnet. Wer es liest, braucht diese Einordnung. Als Quelle zeigt es, wie die DDR ihrer jugendlichen Leserschaft Lateinamerika und Antiimperialismus als Abenteuerstoff erzählte.
Ausgabe: Verlag Neues Leben, Berlin, 1964. Reihe „Spannend erzählt“. Gebunden mit Schutzumschlag, 262 Seiten, mit ganzseitigen Federzeichnungen. Lizenz-Nr. 303 (305/24/64), gedruckt im Karl-Marx-Werk Pößneck (V 15/30), Schrift 10 p Liberta-Antiqua.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand gut. Der Schutzumschlag ist abgenutzt und hat Fehlstellen. Im Vor- und Nachsatz zeigen sich Alterungsflecken im Papier, die Ränder sind gebräunt. Mechanisch ist das Buch in sehr gutem Zustand, die Innenzeichnungen sind sauber erhalten.








