Inhalt: Umfassendes Ausbildungslehrbuch für den DDR-Berufskraftfahrer in sieben Kapiteln. Das erste Kapitel führt in die Geschichte des Kraftfahrzeugs ein: von Cugnots Dampfwagen 1770 über das englische Red Flag Law, das Dampfkraftwagen ein halbes Jahrhundert lang auf vier Stundenkilometer drosselte, über die Eisenbahnlobby des 19. Jahrhunderts bis zur Motorisierung der DDR in den 1960er Jahren. Kapitel zwei behandelt das Fahrwerk: Rahmentypen (Kasten-, Mittel-, X-Rahmen), Federung, Starr- und Pendelachsen, Bereifung, Bremsen einschließlich Druckluft-Zweikreisbremse, automatische Anhängerbremse und Wirbelstrombremse sowie Lenkung mit Lenkhilfe. Kapitel drei erklärt den Verbrennungsmotor: Viertakt-Otto und Viertakt-Diesel im Vergleich, Schmierung, Kühlung (Luft- und Wasserkühlung, Thermostat, Thermosyphon), Vergaser und Kraftstoffeinspritzung. Kapitel vier behandelt die Kraftübertragung: Einscheiben- und Zweischeibenkupplung, synchronisiertes Wechselgetriebe mit Klemmrollenfreilauf, Gelenkwelle und Ausgleichgetriebe. Kapitel fünf deckt die elektrische Anlage ab: Batterien, Gleichstromlichtmaschine mit IKA-Regler, Schraubtrieb- und Schubtriebanlasser, Batterie- und Magnetzündung, Beleuchtungs- und Signalanlage, Scheibenwaschanlage. Kapitel sechs liefert ein systematisches Schema zur Störungssuche an allen Fahrzeugbaugruppen. Das siebte Kapitel schließt mit der Physik des Fahrens: Rollwiderstand nach sieben Fahrbahnkategorien (Asphalt bis Sandboden, Faktor 30 zwischen den Extremen), Luftwiderstand, Steigungswiderstand, Leistungsbedarf, Kraftstoff-Normverbrauch und spezifischer Dieselverbrauch mit Übungsaufgaben. Im Anhang: Leitungs-Farbkennzeichnung nach TGL 5595, Kleinbezeichnungen für Kraftfahrzeuge, 13 Schaltskizzen.
Autoren: Dipl.-Ing. Helmut Ehlers schreibt Fahrwerk und Elektrische Anlage, Ing. Hans-Joachim Mateka Motor und Kraftübertragung, Gewerbeoberlehrer Dipl.-Ing. Ök. Karl-Heinz Wilhelm Einführung und das Schlusskapitel zu Leistung und Verbrauch. Die drei akademischen Grade spiegeln die Ordnung der DDR-Ingenieursausbildung: ingenieurswissenschaftliche Theorie, werkstattnahe Praxis und ökonomisch-pädagogische Einordnung.
Historischer Kontext: Der Berufskraftfahrer wurde 1967 als eigenständiger DDR-Ausbildungsberuf eingerichtet, ausschließlich im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung und mit vollwertigem Facharbeiterzeugnis. Das Lehrbuch erschien erstmals 1970 und erlebte mindestens fünf Auflagen; das vorliegende Exemplar stammt aus dem Druckjahr Oktober 1980. Als Beispielfahrzeuge dienen durchgängig konkrete DDR-Produkte: Wartburg-Zweitaktmotor, IFA-LKW S 4000-1 mit Dieselmotor EM 1-29, IFA W50 und der ältere H 6 aus dem VEB Kraftfahrzeugwerk Werdau. Die Normierung nach TGL 5595 verweist explizit auf die westdeutsche DIN 72 551 als Vorlage. Das Buch ist damit nicht nur Ausbildungsmedium, sondern ein detailliertes Inventar der DDR-Fahrzeugindustrie um 1970. Von der Staatlichen Plankommission als verbindliches Pflichtlehrbuch für die Ausbildung von Facharbeitern für Verkehrsberufe erklärt.
Verlag: transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin. 5. Auflage 1970 (Druck 10/80). Lizenz-Nr. VLN 463. Druckgenehmigung-Nr. 925/74/70. Druckerei der Wertpapiere, Halle (Saale).
Erhaltungszustand: gut. Einband etwas fleckig – siehe Foto.
Format: ca. 321 Seiten + Anhang (3 Anlagen, 13 Schaltskizzen) · Hardcover · transpress 1970 (Druck 10/80) · ddrbuch.de


