Systemischer und bildungspolitischer Kontext
Dieses ingenieurwissenschaftliche Fachschullehrbuch dokumentiert die technologisch-organisatorische Neuausrichtung der DDR-Agrarwirtschaft Mitte der 1960er Jahre. Der Inhalt basiert auf den Beschlüssen des VIII. Deutschen Bauernkongresses (1964) und formuliert die wissenschaftliche Grundlage für den Übergang zur industriemäßigen Großproduktion in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigenen Gütern (VEG).
Verfahrenstechnische und mathematisch-theoretische Kerninhalte
1. Materialwissenschaftliche Grundlagen und Tribologie
- Quantitative Verschleißermittlung: Einführung des technisch-ökonomischen Begriffs des „Abnutzungsvorrats“ sowie mathematische Funktionsmodelle zur Bestimmung der optimalen wirtschaftlichen Nutzungsdauer von Großaggregaten.
- Physikalische Reibungsphänomene: Molekularphysikalische Herleitung von Verschleißvorgängen (Entstehung der Beilby-Schicht) und systematische Analyse des Einlaufvorgangs.
- Anwendungsbezogene Abnutzungsforensik: Schadensanalyse an Gleit- und Wälzlagern, Messung des Zylinderwandverschleißes bei Kaltstartbedingungen und werkstoffanalytische Erfassung des abrasiven Verschleißes an Bodenbearbeitungswerkzeugen.
2. Wartungsorganisation, Pflegeökonomie und Diagnostik
- Planmäßige Vorbeugende Instandhaltung (PVI): Normative Definition standardisierter Pflegegruppen (Wartungsstufen 1 bis 4) inklusive exakter Arbeitszeitvorgaben in Minuten für die RGW-Standardtraktorenflotte (RS 09, Famulus RS 14/30, Zetor Super, Belarus MTS, UTOS).
- Apparative Diagnostik: Verfahren zur Schadensfrüherkennung im Feldbetrieb durch den Traktorenprüfdienst (PD), unter anderem durch akustische Schwingungsanalyse mittels Prüfstethoskop und Einspritzdüsen-Funktionsprüfung.
3. Konstruktive Systematik und Instandsetzungstechnologie
- Instandhaltungsgerechte Konstruktion: Vorgaben zur konstruktiven Minimierung des Verschleißrisikos und die gesetzlich verordnete Beibehaltung einheitlicher Anschlussmaße bei Baugruppenmodifikationen.
- Arbeitsorganisation der Werkstätten: Detaillierte Ablaufplanung und Taktzeitkalkulation für die stationäre Fließfertigung, Modellierung optimaler Transportradien sowie die Organisation des Baugruppen-Austauschsystems zur Stillstandszeitminimierung.
4. Betriebliche Raumplanung und Materialregeneration
- Fabrikprojektierung: Systemische Raumordnung und Flussplanung von Reparaturbetrieben (KfL/MTS) unter Einbeziehung modularer Aufbaustufen und standardisierter Typenprojekte.
- Erhaltungswirtschaftliche Werkstoffrückgewinnung: Richtlinien zur Einzelteilinstandsetzung (TGL 80-102:03) durch Verfahren wie Automatisierte Unterpulverschweißung, thermische Oberflächenverfahren (Metallspritzen) und galvanische Hartverchromung zur Maßhaltigkeitswiederherstellung.


