Flamme des Zorns – Die Geschichte des Eduard Dekker
Emma Wygodskajas historischer Jugendroman erzählt vom Lebensweg des jungen Niederländers Eduard Dekker, der als Kolonialbeamter auf den Inseln des heutigen Indonesien mit der brutalen Wirklichkeit der niederländischen Herrschaft konfrontiert wird. Aus dem pflichtbewussten Beamten wird der Schriftsteller Multatuli, der die Unterdrückung der indonesischen Bevölkerung öffentlich anprangert. Im Mittelpunkt steht die Entstehung seines berühmten Romans Max Havelaar.
Die erstmals 1936 als Die Geschichte des Eduard Dekker erschienene Erzählung verbindet Abenteuerroman, historische Biografie und engagierte Kolonialismuskritik. Die vorliegende DDR-Ausgabe erschien 1953 in der 3. Auflage im Kinderbuchverlag Berlin. Übersetzt wurde sie von Nadja Ludwig; Schutzumschlag, Einband und Textillustrationen stammen von Ernst Jazdzewski.
Aufbau und Handlung
- Erster Teil: Die Inseln der Gewürze – Dekkers Ankunft in der kolonialen Welt, sein Dienst als Kontrolleur und seine ersten Begegnungen mit Gewalt, Willkür und sozialer Ungerechtigkeit. Kapitel wie „Das Teufelspanorama“, „Ein hochnotpeinliches Verhör“, „Die Menschen des Stammes Batak“ und „Das ist schlimmer als der Krieg“ führen in die bedrückenden Verhältnisse ein. Mit „Amsterdam – der Laden der Welt“, „Der Ehrlose“ und „Das Ende der Karriere“ verschiebt sich der Schauplatz schließlich nach Europa.
- Zweiter Teil: Der Radhen von Lebak – Auf Java erlebt Dekker in Lebak den Konflikt zwischen kolonialer Verwaltung, einheimischen Machthabern und der leidenden Bevölkerung. „Die Kinder hinter dem Zaun“, „Eine Versammlung im Walde“, „Der Radhen geht zum Angriff über“ und „Auf der Kaffeeplantage“ verdeutlichen die Abhängigkeit der Menschen und Dekkers wachsenden Widerstand.
- Dritter Teil: Der Aufstand – Der Weg nach Lampong, Zusammenbruch und Flucht steigern die Spannung. Die Kapitel „Zur Meeresküste“, „Ende der Hoffnung“ und „Das Fort Kastelling“ schildern die dramatischen Folgen des Konflikts und die Grenzen eines Einzelnen im kolonialen Machtapparat.
- Vierter Teil: Max Havelaar – Aus den erlebten Zuständen entsteht Literatur. „Wandernde Komödianten“, „Multatuli“, „Noch ist es ein Manuskript“ und „Max Havelaar“ begleiten Dekkers Entwicklung zum Schriftsteller. „Vierzig Gulden pro Buch“, „Kaffee auf javanisch“ und „Die Flamme des Zorns brennt von Tag zu Tag heller“ führen zur Veröffentlichung und zur politischen Wirkung seines Buches.
Themen und historische Bedeutung
Der Roman behandelt Kolonialherrschaft, Zwang und Ausbeutung, die Verantwortung des Einzelnen sowie den Zusammenhang von persönlicher Erfahrung und politischem Schreiben. Wygodskaja gestaltet Dekker nicht nur als historische Figur, sondern als Menschen in einem Gewissenskonflikt: Er muss entscheiden, ob er sich dem System unterordnet oder die Wahrheit über die koloniale Unterdrückung ausspricht.
Die Kapitel über Lebak und die Kaffeeplantagen greifen den historischen Hintergrund von Eduard Douwes Dekkers Tätigkeit auf Java auf. Unter dem Namen Multatuli veröffentlichte er später Max Havelaar, ein wegweisendes Werk der niederländischen antikolonialen Literatur. Die DDR-Ausgabe vermittelt diesen Stoff in einer spannungsreichen, für junge Leser bearbeiteten Form und stellt den Kampf gegen koloniale Willkür in den Mittelpunkt.
Ausstattung
Gebundene Ausgabe des Kinderbuchverlags Berlin von 1953, 3. Auflage, 41.–60. Tausend, DDR-Bestellnummer 3231. Mit Schutzumschlag, Bezug und zahlreichen Textillustrationen von Ernst Jazdzewski sowie einem abschließenden Abschnitt „Worterklärungen“.










