„Der verwandelte Baum“ – Naturkundliches Sachbuch (Ausgabe 1961)
Dieses Werk von Elisabeth Schwarz ist ein repräsentatives Beispiel für die polytechnisch ausgerichtete Kinder- und Jugendliteratur der frühen Deutschen Demokratischen Republik. Herausgegeben vom Altberliner Verlag Lucie Groszer, verbindet das Buch botanisches Grundwissen nahtlos mit wirtschaftlichen, physikalischen und historischen Themenkomplexen. Es betrachtet den Wald nicht nur als ökologischen Lebensraum, sondern explizit auch als Rohstoffquelle für den gesellschaftlichen und industriellen Aufbau.
Inhalt und pädagogisches Konzept
Das Buch geht weit über ein reines Pflanzenbestimmungsbuch hinaus. Es vermittelt naturwissenschaftliches und technisches Wissen durch einen interdisziplinären Ansatz. Zu den zentralen Vermittlungszielen gehören:
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Biologie und Ökologie: Detaillierte Vorstellung heimischer Baumarten (u. a. Buche, Eiche, Fichte, Birke, Linde, Esche), deren Fortpflanzung und Nutzen als Wasserspeicher.
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Forst- und Holzwirtschaft: Erläuterung industrieller Prozesse wie der Papierherstellung („Vom Baum zur Zeitung in 180 Minuten“), der Produktion von Sperrholz, Zündhölzern und der Gewinnung von Braunkohle als prähistorisches Holz.
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Praxisorientierung: Anleitungen für eigenständige Experimente in der Natur, wie die Höhenmessung von Bäumen mittels Stockpeilung („Holzfällermethode“) oder die Bestimmung von Bodenbeschaffenheiten.
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Kulturgeschichte: Verknüpfung des Naturwissens mit historischen Ereignissen (Abholzung und Untergang der Maya, Entdeckungsreisen von Livingstone) und literarischen Bezügen (Gottfried Keller, Robinson Crusoe, Pinocchio).
Gestaltung und Illustration
Die visuelle Aufbereitung unterstützt das didaktische Konzept durch zwei unterschiedliche Bildebenen:
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Wissenschaftliche Zeichnungen: Präzise, biologische Schwarz-Weiß-Illustrationen von Lieselott Klepper-Purjahn zeigen Blattformen, Blütenstände, Zapfen und Forstschädlinge im Detail.
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Fotografien: Ganzseitige Landschaftsfotografien illustrieren die Ästhetik und die wirtschaftliche Nutzung heimischer Wälder.
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Einband: Die grafische Gestaltung des Hardcovers von Ruprecht Haller visualisiert den Titelgedanken durch eine stilisierte Schrotsäge, die einen Baumstamm in Kultur- und Wirtschaftsgüter (Geigenholz und Wagenrad) teilt.
Provenienz: Historisches Zeugnis aus Karl-Marx-Stadt
Dieses spezifische Exemplar dokumentiert die Leseförderung und das Bildungssystem der DDR auf authentische Weise. Im Vorsatz des Buches ist eine offizielle Widmung eingeklebt:
„Als Anerkennung für gute Leistungen in der Arbeitsgemeinschaft ,Junger Naturforscher‘. Karl-Marx-Stadt, Dezember 1961. Dimmel (Leiter der Station)“
Diese Prämierung macht das Buch zu einem greifbaren Stück Alltags- und Schulgeschichte der frühen 60er Jahre.
Bibliografische Details
| Merkmal | Information |
| Titel | Der verwandelte Baum |
| Autorin | Elisabeth Schwarz |
| Verlag | Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin |
| Erscheinungsjahr | 1961 |
| Illustrationen (Innen) | Lieselott Klepper-Purjahn |
| Einbandzeichnung | Ruprecht Haller |
| Druck | VEB Leipziger Druckhaus (Satz, Druck, Einband: Leipzig III/18/203) |
| Sprache | Deutsch |
| Umfang | ca. 128 Seiten (gemäß Inhaltsverzeichnis) |
| Einbandart | Hardcover (Halbleinen/Pappband) |


