Inhalt: Der Sammelband „Teddy und seine Freunde“ versammelt 25 Erzählungen aus der DDR-Schülerzeitschrift „ABC-Zeitung“ für Leseanfänger der Unterstufe. Die Anthologie zieht einen geraden historischen Strich von Karl Marx über die Revolution von 1848, die Kindheit Ernst Thälmanns, die Novemberrevolution 1918 und den antifaschistischen Widerstand bis zu Walter Ulbricht. Der Titel „Teddy“ greift den Spitznamen Ernst Thälmanns auf, der als Identifikationsfigur der Thälmann-Pioniere dem Buch seinen Namen gibt.
Das Autorenkollektiv gehört zur ersten Reihe der DDR-Kinderbuchliteratur: Irma Thälmann (die Tochter des KPD-Vorsitzenden) steuert die Titelerzählung „Als Ernst Thälmann so alt war wie ihr“ bei. Jurij Brězan, der sorbisch-deutsche Schriftsteller und mehrfache Nationalpreisträger, schrieb „Ein Spaziergang mit Karl Marx“. Gerhard Holtz-Baumert – später bekannt als Schöpfer der „Alfons Zitterbacke“-Bücher – ist mit zehn Erzählungen der produktivste Beiträger. Weitere Texte stammen von Käte Caro, Ursula Werner-Böhnke, Günther Feustel, Rosi Paroch, Sonja und Maria Kuhn, Bodo Schulenburg und C. E. Mathias. Zusammengestellt wurde der Band von Ilsgard Gollus und Karl Heinz Semmelmann.
Illustrationen: Titel und sämtliche farbige Illustrationen stammen von Hans Betcke (1919–1992), einem in Königsberg geborenen Maler und Grafiker, der zu den prägenden Gestaltern der DDR-Kinderpresse gehörte. Betcke arbeitete für die Zeitschriften „Atze“, „Trommel“ und „Frösi“ und schuf 1985 den einzigen DDR-Comic nach einem Text von Karl May. Seine expressiven Tuschezeichnungen mit aquarellierten Lavuren knüpfen stilistisch an Frans Masereel und Käthe Kollwitz an und heben das Buch grafisch deutlich über den Durchschnitt der politischen Kinderliteratur hinaus.
Historischer Kontext: 1969, im Jahr vor dem zwanzigsten Geburtstag der DDR, stand der Staat unter Walter Ulbricht auf dem Höhepunkt seiner konsolidierten Selbstdarstellung. Der Band zeichnet den Arbeiterbewegungs-Gründungsmythos für die frühe Grundschule nach und ist heute ein zentrales Referenzwerk der Forschung zur politischen DDR-Kinderliteratur. Die ausgeprägte Härte einzelner Erzählungen – Hinrichtungen vor dem NS-Sondergericht, Märtyrertod junger Widerstandskämpferinnen – macht das Buch zu einem aufschlussreichen Zeitdokument der sozialistischen Erziehungspraxis.
Ausstattung: 1. Auflage 1969, Verlag Junge Welt Berlin. 95 Seiten, illustrierter Pappband (Original-Hardcover), farbige Illustrationen durchgängig im Buch. Druck: Völkerfreundschaft Dresden (Lithografien) und Druckhaus Karl-Marx-Stadt. Druckgenehmigungsnummer Ag 715/18/69. Originalpreis: 7,— Mark der DDR.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand befriedigend. Rücken oben beschädigt und repariert. Ansonsten ist das Buch in einem guten Zustand. Papier altersbedingt gleichmäßig leicht nachgedunkelt, Block fest, Illustrationen farbfrisch. Kleiner Namensvermerk im Vorsatz. Ein charaktervolles Arbeitsexemplar, das sich sowohl für Sammler als auch für Forschende zur politischen DDR-Kinderliteratur eignet.


