Ein Denkmal aus Papier für den sächsischen Bergbau Das Buch „Unser der Tag – Unser die Zukunft“ ist weit mehr als eine einfache Betriebschronik. Herausgegeben im Oktober 1969 von Dipl.-Ing. Rolf Vogel, dem damaligen Werkdirektor, versteht sich dieser Band als stolzer Leistungsnachweis des VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz. Unter gutachterlicher Mitarbeit des bekannten Technikhistorikers Prof. Dr. habil. Eberhard Wächtler entstand ein Werk, das die Identität der Bergarbeiter im Kontext des Aufbaus des Sozialismus zementieren sollte.
Inhalt & Historischer Kontext Der Textteil spannt einen weiten historischen Bogen. Er beginnt bei der geologischen Entdeckung der Steinkohle um 1720 und beschreibt eindringlich das Elend und die Gefahren der frühen Industrialisierung, wie das tragische Unglück auf der „Neuen Fundgrube“ 1867. Der ideologische Schwerpunkt liegt jedoch auf der Entwicklung nach 1945. Das Buch inszeniert die Geschichte des Reviers als eine Geschichte des Klassenkampfes, die in der Gründung der DDR und der Übernahme der Produktionsmittel durch das Volk gipfelt.
Besondere Highlights:
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Der Hennecke-Mythos: Ein bedeutender Teil des Buches widmet sich Adolf Hennecke, der im Oelsnitzer Karl-Liebknecht-Schacht die Aktivistenbewegung initiierte. Historische Dokumente, wie die Schlagzeile der „Täglichen Rundschau“ über seine 380%ige Normerfüllung, werden visuell aufbereitet.
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Arbeitswelten: Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen die harte, körperliche Arbeit unter Tage und die technologische Entwicklung in den Werkstätten mit einer für die Zeit typischen Ästhetik der „Helden der Arbeit“.
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Sozialismus als Lebensgefühl: Im starken Kontrast zur Schwere der Arbeit stehen die zahlreichen Farb- und S/W-Aufnahmen des sozialen Lebens. Das Buch präsentiert das „neue Leben“ der Kumpel: Urlaub an der Ostsee, ausgelassene Brigadefeiern und die umfassende Kinderbetreuung im Betriebsferienlager „Arthur Becker“.
Ausstattung & Gestaltung Für DDR-Verhältnisse ist der Band ausgesprochen hochwertig produziert. Der Entwurf und die Redaktion lagen bei Rolf Schubert. Gedruckt wurde der Text in Stollberg, während die anspruchsvollen Farbtafeln von der renommierten Union-Druckerei Dresden stammen. Das großzügige Format (ca. 21,5 x 30 cm) lässt die Bilddokumente besonders gut zur Geltung kommen.
Fazit für Sammler Dieses Buch ist ein Muss für jeden, der sich für die Geschichte des sächsischen Bergbaus, die Geschichte der SED/KPD im Erzgebirge oder die visuelle Propaganda der DDR interessiert. Es dokumentiert den Übergang von der rein manuellen Gewinnung zur Mechanisierung und dient als perfektes Beispiel für die betriebliche Identitätsstiftung in der DDR.





















