Inhalt: „Spielzeug“ verbindet in einem Band, was sonst getrennt behandelt wurde: Geschichte, Pädagogik, Herstellung und Verkauf. Dagmar Zipprich erzählt die Spielzeuggeschichte von der Vorzeit bis nach Sonneberg und fasst sie als Geschichte der Besitz- und Arbeitsverhältnisse. Charlotte Elsner schreibt über die Entwicklung des Kindes und über Anforderungen an Spielzeug nach Altersstufen, darunter eine Tabelle „Welches Spielzeug in welchem Alter?“ (S. 126 f.). Edgar Rau behandelt die technischen Voraussetzungen der Produktion von Holz-, Metall- und Plastikspielwaren, mit Fertigungsfotos, Stückliste, Normzeiten und einem Kalkulationsformular. Hans Döbrich widmet sich dem Verkauf und gibt Verkäufern Musterdialoge an die Hand. Am Ende stehen Literaturverzeichnis, Bildquellennachweis, Sachwortverzeichnis und ein Anzeigenteil mit Herstellern der DDR.
Autoren: Das Kollektiv besteht laut Impressum aus Hans Döbrich (Verdienter Lehrer des Volkes, Direktor der Fachschule für Angewandte Kunst in Sonneberg), Charlotte Elsner (Kindergärtnerin in Dresden), Edgar Rau (Konstrukteur und Gestalter von Spielwaren im VEB ZKEB für Musikinstrumente, Klingenthal, Außenstelle Plauen) und Dagmar Zipprich (Schriftstellerin in Berlin). Redaktionell bearbeitet hat es Dr. Rudolf Dietze. Zeichnungen für Schutzumschlag und Einband stammen von Dorette Preiß, Leipzig. Zu ihr und zu den drei zuletzt genannten Autoren ließen sich keine weiteren Angaben finden.
Historischer Kontext: Das Buch entstand Ende 1957 (Redaktionsschluss 6.12.1957) und erschien 1958 im Fachbuchverlag Leipzig. Das Geleitwort von Andrä, Fachgebietsleiter in der Staatlichen Plankommission, ist auf den 1. Dezember 1957 datiert. Es nennt Spielwaren einen Industriezweig von „hoher kultureller und ökonomischer Bedeutung“ und begründet das Buch damit, dass Produktion und Handel bisher fehlten. Die Rahmung ist ungleich verteilt: Im Geschichtsteil trägt sie die ganze Darstellung, im Technikteil ist sie kaum zu finden. Der Text denkt die Branche noch gesamtdeutsch und nennt Coburg und Nürnberg neben Sonneberg und Seiffen. Zu Auflage und zeitgenössischer Aufnahme liegen keine belastbaren Angaben vor, das Buch selbst nennt keine Auflage.
Was dieses Buch heute interessant macht: Als Handbuch ist es überholt, es empfiehlt noch Zelluloid und hält Plast für unbedenklich. Als Quelle ist es ergiebig. Wer Sonneberger Hausgewerbe, Puppenfertigung, Preisbildung im Plan oder die Verkaufsschulung im Fachhandel sucht, findet das hier in einem Band, der Anzeigenteil ersetzt ein kleines Branchenverzeichnis. Die Pädagogikkapitel sind gelegentlich verblüffend gegenwärtig: Es gebe „keine Spezialspielzeuge für Mädchen oder für Jungen“ (S. 80). Anderes ist zeitgebunden, etwa Bildunterschriften mit heute nicht mehr verwendbaren Wörtern oder die Rollenzuschreibung an Mädchen im Spiel. Das Buch richtet sich an Spielzeugsammler und Sonneberg-Interessierte, außerdem an alle, die Wirtschafts- und Alltagsgeschichte der Fünfzigerjahre aus Primärquellen lesen wollen.
Ausgabe: Fachbuchverlag Leipzig, 1958. Von einem Autorenkollektiv, mit 220 Bildern. Lizenznummer 114-210/87/58. Satz und Druck: VEB Offizin Andersen Nexö, Leipzig. 300 Seiten, Leineneinband mit rotem Aufdruck, ohne Schutzumschlag.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand gut. Der Einband hat Flecken, siehe Foto. Sonst guter Zustand.










