Inhalt: Das Lehrbuch führt Lehrlinge und Facharbeiter durch das ganze Fahrzeug. Es beginnt mit Fahrzeugarten, Bauelementen, Standardisierung und Montage, behandelt dann Fahrwerk, Rahmen, Federung, Lenkung und Bereifung und geht weiter zu Triebwerk, Verbrennung und Motorteilen. Am Ende stehen das Prüfen und die Betriebsstoffe. Die Kapitel folgen einem festen Muster: Aufgabe, Bauteile, Berechnung, Wartung und Instandsetzung, zum Schluss Kontrollfragen im Imperativ („Erläutere“, „Begründe“). Das Buch hat 784 Abbildungen, vor allem Strichzeichnungen und Fließschemata, dazu Fotoserien wie die Montage der Vorderachse (S. 126 f.).
Autor: Verfasser ist laut Titel ein Autorenkollektiv. Das Impressum nennt neun Bearbeiter, darunter Folkmar Kinzer, Eberhard Klimmer und Hans Schönersted, und eine Redaktion aus Folkmar Kinzer, Kurt Lemmer und Karl-Heinz Schulze. Es ist eine starke Überarbeitung des Lehrbuches „Fachkunde Kraftfahrzeugschlosser und Kraftfahrzeughandwerker“ von E. Dähn. Einbandgestaltung: Werner Fahr.
Historischer Kontext: Das Buch erschien 1962 im VEB Verlag Technik, Redaktionsschluss war der 31. August 1961. Es gehört zur Reihe „Lehrbücher für die Berufsausbildung“. Das Vorwort stützt die Neubearbeitung auf die Beschlüsse des III. Berufspädagogischen Kongresses. Der ideologische Rahmen sitzt an den Rändern: in der Einleitung, am Anfang einzelner Kapitel und in Einschüben mit Planzahlen. Dazwischen liegen oft viele Seiten reiner Fachteil ohne jede Wertung. Zwischen den Zeilen steht der Mangel. Gummifedern sparen „Importe für hochwertigen Federstahl“, und das Regenerieren von Teilen wird empfohlen, statt sie zu verschrotten. Auflagenhöhe und Verwendung im Lehrplan sind nicht belegt.
Was dieses Buch heute interessant macht: Als Anleitung für heutige Fahrzeuge taugt es nicht mehr. Kp, PS, Magnetzünder und Hebelstoßdämpfer sind überholt. Die Grundlagen von Rahmen, Federung, Verbrennung und Klopfen gelten dagegen unverändert und sind gut erklärt. Wer einen Trabant, Wartburg oder Robur pflegt, findet hier den Stand der Werkstattpraxis um 1960, und das Buch nennt diese Fahrzeuge ausdrücklich. Dazu kommt der Blick des Historikers. Das Buch räumt offen ein, dass die Theorie der Stoßdämpfung „noch nicht umfassend geklärt“ sei (S. 93), und behauptet auf S. 44, die „Wandlungen der Mode in der Formgebung“ hätten in der sozialistischen Wirtschaft „keine Bedeutung“. Bei den Vorhersagen zu Kreiskolbenmotor, Gasturbine und Kernantrieb ist vieles nicht eingetreten, Scheibenbremse und Elektroantrieb dagegen schon. Ein Lesebuch ist es nicht, aber ein gutes Blätterbuch.
Hinweis zur Auswertung: Für diese Beschreibung wurden die Einleitung und die Kapitel zu Fahrwerk, Rahmen, Federung, Lenkung, Bereifung, Triebwerk und Verbrennung gelesen (etwa S. 15 bis 375) sowie zwei Seiten aus Kapitel 53. Die übrigen Teile, etwa Kraftübertragung, Bremsen und elektrische Anlage, sind hier nicht bewertet.
Ausgabe: VEB Verlag Technik, Berlin 1962. 752 Seiten, Pappband mit Leinenrücken, farbig bedruckter Einband mit blau getöntem Foto, ohne Schutzumschlag. Bestell-Nr. 44 167, Lizenz VLN 201, Dg. Nr. 370/218/62. Satz und Druck: VEB Berliner Druckhaus. Mit Beilage.
Erhaltungszustand: Gut. Ecken und Kanten sind etwas berieben, innen ist das Buch tadellos. Eine Beilage liegt bei.










