Bibliografische Daten
-
Titel: Naseweis sucht Himbeereis
-
Autorin: Liesl Richter
-
Illustration: Christine Klemke
-
Verlag: Verlag Junge Welt, Berlin
-
Erscheinungsjahr: 1983 (1. Auflage)
-
Format: Hardcover, durchgehend farbig illustriert
-
Ursprünglicher Preis: 10,50 M
-
Lesealter: ab 6 Jahren
Inhaltsangabe Im Mittelpunkt der Geschichte steht der kleine, lebendig gewordene Frechdachs „Naseweis“, der eigentlich im Spielzeugschrank des Erstklässlers Fridolin wohnt. An einem besonders heißen Herbsttag begibt sich Naseweis auf die Suche nach einer Abkühlung in Form von Himbeereis. Nach einer humorvollen Konfrontation mit einer typischen städtischen „Eis-Schlange“ reist er mithilfe des Herbstwindes in das erhoffte „Eis-Land“.
Seine Reise führt ihn jedoch tief in die Sowjetunion (RSFSR). Begleitet wird er von der klugen Puppe „Blauäuglein“, die ihr Wissen aus einem „Bauch-Computer“ abruft. Die Reise entwickelt sich zu einer erdkundlichen und kulturellen Entdeckungstour. Sie begegnen dem sanften Bären Mischka in der Taiga, besichtigen die Erdgastrasse, die Energie für die heimischen Gasherde liefert, und reisen bis zum Kernkraftwerk Bilibino im Permafrostboden, wo dank moderner Technik rote Nelken in Gewächshäusern blühen. Die Reise endet im äußersten Norden bei den Kindern der Tschuktschen, wo Naseweis schließlich sein ersehntes russisches Eis (Moroschenoje) in Form einer gigantischen Eistorte erhält, bevor er von seinem Kind Fridolin in die analoge Spielrealität des Kinderzimmers zurückgerufen wird.
Literaturhistorische Einordnung und Besonderheiten Das Werk ist ein herausragendes Beispiel für die literarische Wissensvermittlung (Edutainment) in der DDR-Kinderliteratur der frühen 1980er Jahre. Es verknüpft kindliche Fantasie nahtlos mit geografischen, ökonomischen und politischen Themen (Vielvölkerstaat Sowjetunion, Bedeutung der Erdgastrasse, traditionelles Chochloma-Holzgeschirr). Gleichzeitig enthält das Buch subtile medienkritische Ansätze, indem es das aktive Lesen und das analoge Spiel positiv gegen den passiven Fernsehkonsum abgrenzt.
Getragen wird der Text von den unverwechselbaren, dynamischen Illustrationen Christine Klemkes. Durch ihr bühnenhaftes Seitenlayout, die ausdrucksstarke Mimik der Figuren und den visuellen Humor (wie die Darstellung der Warteschlange als „kunterbuntes Ungeheuer“) übersetzt sie komplexe Alltagsphänomene in eine leicht zugängliche, kindgerechte Bildsprache.
Mit Farbillustrationen – Gebrauchsspuren – Ecken etwas berieben



