Inhalt: Helmut Sperling erzählt jungen Lesern die Geschichte der Eisenbahn, mit dem Untertitel „Eine unterhaltsame Geschichte vom Flügelrad“. Sie beginnt bei der Dampfkraft und bei James Watt, geht über Stephenson und die ersten Strecken in England und Deutschland und führt zu den großen Gebirgs- und Überlandbahnen. Ausführlich behandelt werden die Semmeringbahn mit dem Ingenieur Ghega, Friedrich List und der Undank, den er in Deutschland für seinen Eisenbahngedanken erntete, Henry Meiggs in Peru und die Große Sibirische Bahn. Dazwischen stehen Anekdoten, etwa die von der Lokomotive, die auf öligen Schienen nur hin und her rutscht und sich dem kaiserlichen Befehl verweigert. Auch der Güterverkehr und die Kindereisenbahnen der Sowjetjugend bekommen ihre Seiten. Am Ende steht ein Nachwort, das nach seiner Überschrift am Anfang gelesen werden soll und Lexikon, Atlas und Merkbuch zum Nachschlagen empfiehlt. Der Erzähler redet seine Leser direkt an, erklärt Dampfdruck und Reibung an Beispielen aus dem Alltag und nennt viele Jahreszahlen und Maße. Beschrieben ist, was auf den ausgewerteten Seiten steht (S. 2 bis 41, 73 bis 87, 98 bis 101, 106 bis 113). Das Buch ist ein Sachbuch für Schüler, keine Kindererzählung, und Kinderfiguren spielen im Text keine Rolle.
Autor: Helmut Sperling, auf dem Titelblatt als Erzähler genannt. Lebensdaten und weitere Werke ließen sich nicht ermitteln.
Illustrationen: Heinz Völkel, laut Titelblatt der Zeichner. Das Buch lebt von seinen farbigen Tafeln und von Vignetten ohne Rahmen, um die der Text herumläuft. Die Lokomotiven und Wagen sind genau gezeichnet, die Szenen reichen von Landschaft und Hafen über ein Hüttenwerk bei Nacht bis zur Menschenmenge der ersten Bahnfahrten. Am Schluss liegt eine ausgefaltete farbige Karte des Eisenbahn-Weltverkehrs.
Historischer Kontext: Das Buch erschien 1948 im Volk und Buch Verlag in Leipzig, mit Genehmigung der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland (Lizenz 378). Es entstand also in der Besatzungszeit und vor der Gründung der DDR. Es steht in der Tradition der Technikpopularisierung mit Fortschrittsglauben und Bewunderung für Erfinder und Ingenieure. Eine ausdrückliche marxistische Rahmung zeigen die gelesenen Seiten nicht. Erkennbar sind Durchsichten nach 1945, etwa Ortsnamen wie „Twer (Kalinin)“ und der Ausblick auf das „Atomzeitalter“. Zu Auflage, Reihe und zeitgenössischer Aufnahme liegen keine gesicherten Angaben vor.
Was dieses Buch heute interessant macht: Es zeigt, wie Technikfortschritt 1948 jungen Lesern in der Sowjetischen Besatzungszone erzählt wurde. Der Blick auf Südamerika, Ägypten und Sibirien ist der eines Europäers, als Leser sind ausdrücklich Jungen gedacht („Welcher rechte Junge …“, S. 113), und die Wildwest-Szene mit angreifenden Indianern folgt der Bildkonvention der Zeit, obwohl der Text selbst vom „unverdienten Untergang“ der Indianer spricht. Dazu kommt das Querformat mit den Farbtafeln. Wer Eisenbahngeschichte, Illustration oder Bücher aus der Zeit von 1945 bis 1949 sammelt, findet hier alles in einem Band.
Ausgabe: Volk und Buch Verlag, Leipzig, 1948. 112 Seiten, Querformat, Pappband mit aufgeklebtem Bildtitel, mit farbigen Tafeln und einer farbigen Karte. Druck: Graphische Betriebe C. G. Röder, Leipzig; Einband: Ferd. Peter Nachf., Leipzig.
Erhaltungszustand: Gesamtzustand gut. Kanten leicht berieben, minimale Druckspuren am Einband, sonst für das Alter TOP erhalten.








