Dieser Band stellt eines der zentralen Werke der ostdeutschen wissenschaftlich-phantastischen Literatur dar. Der 1966 erstmals erschienene Text dokumentiert detailliert die technologischen und gesellschaftspolitischen Zukunftsvorstellungen der DDR in den 1960er Jahren.
Inhaltsangabe und Handlung
„Heimkehr der Vorfahren“ ist die direkte Fortsetzung des 1959 veröffentlichten Romans „Titanus“. Die Handlung beschreibt die Rückkehr einer irdischen Raumschiff-Expedition, die den Planeten im Jahr 2000 verlassen hat. Bedingt durch die physikalischen Gesetze der Zeitdilatation bei Flügen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit, kehren die Protagonisten erst über 300 irdische Jahre später auf die Erde zurück.
Die Rückkehrer treffen auf eine menschliche Zivilisation, die sich grundlegend gewandelt hat. Die Gesellschaft der Zukunft hat das Endstadium des Kommunismus erreicht. Konflikte, Kriege und Klassensysteme gelten als überwundene, historische Phänomene eines vergangenen Zeitalters. Der Roman fokussiert sich auf den Anpassungsprozess der Raumfahrer an diese hochtechnisierte und rationalisierte neue Welt.
Thematische Schwerpunkte des Romans
Der Text gewährt tiefe Einblicke in den damaligen Technikdiskurs und das sozialistische Geschichtsbild:
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Technisierung des Alltags: Beschrieben wird eine vollständig automatisierte Lebenswelt. Die Reproduktionsarbeit (Hausarbeit, Kochen) ist obsolet; die Nahrungsaufnahme erfolgt beispielsweise zweckmäßig über „Eiweißnahrungsstangen“, die per Rohrpostsystem in die Wohnungen geliefert werden.
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Kybernetik: Der Roman spiegelt die Kybernetik-Euphorie der DDR unter Walter Ulbricht wider. Computernetzwerke und Regelkreise werden als fehlerfreie Instrumente zur Steuerung von Wirtschaft und Gesellschaft dargestellt.
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Das Konzept des „Neuen Menschen“: Die Figuren der Zukunft haben bürgerliche Emotionen und Verhaltensmuster abgelegt. Gefühle wie Eifersucht oder Besitzdenken werden im Text als primitive „Ur-Instinkte“ beziehungsweise „Fossilien“ der menschlichen Psychologie deklariert und durch reine Rationalität ersetzt.
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Naturwissenschaftlicher Anspruch: Der Autor integriert gezielt physikalische und astronomische Konzepte (Photonenantrieb, Gravitationsforschung, Relativitätstheorie) in die Handlung, was dem damaligen bildungspolitischen Auftrag der Literatur entsprach.
Literaturhistorischer Kontext: Der „Utopische Roman“
Die Publikation ist explizit als „Utopischer Roman“ deklariert (siehe Titelseite). Dieser Begriff wurde in der DDR dem angloamerikanischen Terminus der „Science-Fiction“ vorgezogen. Während man der westlichen SF oft Dystopie, Eskapismus oder Militarismus vorwarf, definierte der ostdeutsche Literaturbetrieb die Utopie als eine wissenschaftlich fundierte, optimistische Vorausschau auf die gesetzmäßige Entwicklung der Menschheit hin zu einer klassenlosen Gesellschaft.
Kontextinformationen zum Autor
Eberhardt del’ Antonio (1926–1997) zählte zu den prägendsten und auflagenstärksten Autoren des Genres in der DDR. Nach einer Ausbildung zum Metallarbeiter und Tätigkeiten als technischer Zeichner sowie Ingenieur, brachte er ein ausgeprägtes technisches Verständnis in seine literarische Arbeit ein. Seine Werke zeichnen sich durch eine hohe physikalische Präzision (Hard SF) aus. Mit Romanen wie „Titanus“ und „Heimkehr der Vorfahren“ prägte er das technikoptimistische Zukunftsbild einer ganzen Lesergeneration nachhaltig.
Bibliografische Spezifikationen (vorliegendes Exemplar)
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Titel: Heimkehr der Vorfahren
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Gattung: Utopischer Roman
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Autor: Eberhardt del’ Antonio
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Verlag: Verlag Das Neue Berlin, Berlin
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Auflage: 6. Auflage
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Erscheinungsjahr: 1972 (Erstausgabe: 1966)
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Lektorat: Ekkehard Redlin
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Umschlagentwurf: Dieter Müller
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Druck: Offizin Andersen Nexö BT III, Leipzig


