Um die Ecke in Berlin. Aus Kindheitstagen – Ein zeitgeschichtliches Dokument der DDR-Kinderliteratur
Das 1986 im Kinderbuchverlag Berlin erschienene Werk von Wera und Claus Küchenmeister bietet einen detaillierten Einblick in die Lebensrealität der Berliner Arbeiterklasse während der 1930er Jahre. Das Buch nutzt historische Milieustudien, um junge Leser an die Themen Klassenkampf, Solidarität und den historischen Antifaschismus heranzuführen.
Inhalt und Thematik
Die Erzählung begleitet die Protagonisten Carl und Ruth durch ihre Kindheit in den Ost-Berliner Arbeiterbezirken. Die Autoren kontrastieren dabei das städtische Leben der Weimarer Zeit mit Einblendungen aus der Zeit der DDR. Folgende historische und gesellschaftliche Themen werden im Buch erzählerisch aufbereitet:
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Das proletarische Milieu: Detaillierte Beschreibungen von beengten Wohnverhältnissen, Kinderarbeit (Koffertragen am Schlesischen Bahnhof), mangelnder medizinischer Versorgung und der Bedeutung von kostenlosen Bildungseinrichtungen wie dem Naturkundemuseum.
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Politischer Widerstand: Die zunehmende Bedrohung durch den Nationalsozialismus wird aus der kindlichen Perspektive geschildert. Ein zentrales Motiv ist der Vater, der als Kommunist heimlich Waffen für den Widerstand versteckt und seinen Söhnen die Geschichte der Märzgefallenen von 1848 und der Novemberrevolution von 1918 vermittelt.
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Jüdisches Leben im Kiez: Das Buch integriert behutsame Beschreibungen des jüdischen Alltags (z. B. Sabbat-Rituale im Hinterzimmer eines Kleiderhändlers) in das Straßenbild und thematisiert den aufkommenden Antisemitismus.
Illustrationen und Buchgestaltung
Die visuelle Ebene des Buches wird durch die Künstlerin Barbara Schumann getragen. Ihre Illustrationen zeichnen sich durch einen hohen Detailgrad aus, der an das klassische Berliner „Zille-Milieu“ anknüpft. Die Bilder fangen das historische Stadtbild ein – von überfüllten Straßenbahnen am alten Alexanderplatz über Hinterhofszenen mit Leierkastenmännern bis hin zu städtischen Kuhställen an der Landsberger Straße.
Literaturhistorischer Kontext
Wera und Claus Küchenmeister zählten zu den etablierten Autoren der DDR. Das Werk ist ein charakteristisches Beispiel für den didaktischen Auftrag der damaligen Kinder- und Jugendliteratur: Die Vermittlung eines sozialistischen und antifaschistischen Geschichtsbewusstseins durch die Identifikation mit den historischen Kämpfen der Arbeiterklasse.
Bibliografische Spezifikationen
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Titel: Um die Ecke in Berlin. Aus Kindheitstagen
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Autoren: Wera und Claus Küchenmeister
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Illustrationen: Barbara Schumann
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Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin – DDR
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Erscheinungsjahr: 1986 (1. Auflage)
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Druck: Ostseedruck Rostock, Grafische Werke Zwickau / Buchbinderei Südwest Leipzig (VOB)
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Lizenz-Nr.: 304-270/97/86-(15)
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Bestell-Nr.: 632 731 6
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Einband: Hardcover foliert
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Seitenanzahl: 110


