Detaillierte Langbeschreibung
1. Bibliografische Standarddaten
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Autorin: Helga Mondschein
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Titel: Träum dich ins Winzel-Wunder-Land
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Untertitel: Gute-Nacht-Geschichten
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Illustrationen und Einbandgestaltung: Gabine Heinze, Leipzig
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Verlag: St. Benno-Verlag GmbH Leipzig
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Erscheinungsjahr: 1989 (1. Auflage)
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Herstellungsdaten: * Reproduktion: Druckerei Neues Deutschland, Berlin
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Satz, Druck und buchbinderische Weiterverarbeitung: Druckwerkstätten Stollberg
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Zulassungen/Genehmigungen: * Kirchliche Druckerlaubnis: Dresden, 3. Juli 1987 (H. J. Weisbender, Generalvikar)
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Staatliche Genehmigung (DDR): Lizenznummer 480/167/89; LSV 6450
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ISBN: 3-7462-0291-4
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Einband/Format: Hardcover (Pappband)
- Zustand: Sehr gut – Ecken leicht bestoßen
2. Inhaltliche Struktur und Aufbau
Das Buch ist als Vorlese- und Lesebuch für Kinder konzipiert. Es beginnt mit einem programmatischen Vorwort, das explizit eine christliche Heilsbotschaft formuliert („Gott kommt unseren Träumen entgegen“). Der Hauptteil ist in drei thematisch aufeinander aufbauende Sinnabschnitte gegliedert, die jeweils mehrere kurze Geschichten umfassen:
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1. Teil: Wo Vögel singen und Igel spazierengehen (S. 9 – 76) Fokus auf die Natur- und Tierwelt. Der Protagonist lernt verschiedene Wald- und Wiesenbewohner kennen. Die Geschichten behandeln den harmonischen, aber auch lehrreichen Umgang mit der Naturrezeption (z. B. Kapitel wie „Ferdi, das Eichhörnchen“, „Das Froschkonzert“, „Umzug im Ameisenvolk“).
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2. Teil: Wo Menschenkinder zu Hause sind (S. 77 – 154) Übergang in den anthropozentrischen Raum. Die Fantasiefigur interagiert mit der Lebenswelt der (Menschen-)Kinder. Themen sind der familiäre Alltag, das Spiel sowie zwischenmenschliche Beziehungen (z. B. „Sandkastenspiel“, „Besuch beim Schlafengehen“, „Die kleine Oma“).
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3. Teil: Wo Himmel und Erde zusammenstoßen (S. 155 – 233) Der metaphysisch-spirituelle Teil des Buches. Hier werden alltägliche Erlebnisse stärker mit existenziellen oder transzendenten Fragestellungen verknüpft. (z. B. „Das Wichtigste auf der Welt“, „Besuch am Krankenbett“, „Bei den Funkelsternen“).
3. Hauptfiguren und literarisches Motiv
Der verbindende Protagonist aller Geschichten ist „Winzel WUNDER“. Er wird beschrieben als ein „kleines Etwas, nicht viel größer als ein Eichenblatt“, das wie ein Menschenjunge aussieht, Kleidung trägt (angezogene Knie, Jäckchen, winzige Stiefel) und sprechen kann. Winzel fungiert als staunender Beobachter und moralischer Vermittler. Zu seinen regelmäßigen Dialogpartnern gehören vermenschlichte Tiere (u. a. die Eule Eulalia Großkopf, das Eichhörnchen Ferdi, die Grille Laura, die Ameise Leontine, die Schnecke Kuni). Die Narrative verzichten auf Antagonisten im klassischen Sinne; Konflikte entstehen zumeist durch Missverständnisse oder natürliche Gegebenheiten, die im Dialog gelöst werden.
4. Gestaltung und Typografie
Das Werk ist im klassischen Hochformat gebunden. Die Textseiten sind im Blocksatz in einer gut lesbaren Serifenschrift gesetzt, die dem Standard des DDR-Buchdrucks jener Zeit entspricht. Die Texte werden regelmäßig durch seitenfüllende oder in den Textfluss integrierte Illustrationen von Gabine Heinze ergänzt. Diese sind in Graustufen (schwarz-weiß/monochrom) gehalten. Der Zeichenstil ist naturalistisch, weich und detailreich, wodurch der ruhige, bedächtige Ton der Gute-Nacht-Geschichten visuell unterstrichen wird.
5. Buch- und zeithistorischer Kontext (DDR)
Das Buch ist ein repräsentatives Artefakt der christlichen Publikationslandschaft in der Deutschen Demokratischen Republik.
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Ideologische Einordnung: Im Gegensatz zur staatlich geförderten, oft politisierten Kinderliteratur der DDR bietet dieses Werk eine rein religiös-humanistisch geprägte Wertevermittlung. Es diente als Lektüre innerhalb der kirchlichen Nischengesellschaft.
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Produktionsbedingungen: Die im Impressum dokumentierte Diskrepanz von zwei Jahren zwischen der kirchlichen Druckerlaubnis (Juli 1987) und dem Erscheinen der ersten Auflage (1989) ist ein Beleg für die materialbedingten Verzögerungen (Papiermangel) und die Kontingentierungspolitik der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel der DDR.
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Druckerei-Kuriosum: Bemerkenswert ist die Vergabe der Druckvorlagenherstellung („Reproduktion“) an die Druckerei des „Neuen Deutschland“ in Ost-Berlin. Dies veranschaulicht die Praxis der staatlichen Planwirtschaft, bei der freie Maschinenkapazitäten über ideologische Grenzen hinweg auch für kirchliche Verlage genutzt wurden.


