1. Bibliografische Stammdaten
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Titel: Pferde
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Autor: Karlheinz Gleß
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Illustrator: Reiner Zieger
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Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin – DDR
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Erscheinungsjahr: 1981 (1. Auflage)
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Lizenz-Nr.: 304-270/94/81-(30)
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Herstellung: Grafischer Großbetrieb Sachsendruck Plauen
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Typographie: Jürgen Schumacher
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Bestell-Nr.: 630 966 0
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DDR-Preis: 14,80 M
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Altersempfehlung: Für Leser von 10 Jahren an
2. Inhaltlicher Aufbau & Themen
Das Buch ist kein Bilderbuch für Kleinkinder, sondern ein anspruchsvolles Sachbuch, das biologische Fakten mit kulturhistorischem Wissen verknüpft. Der Inhalt gliedert sich grob in folgende Bereiche:
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Evolution & Domestizierung: Das Buch beginnt mit der Geschichte, „wie sich der Mensch das Pferd dienstbar machte“. Es werden archäologische Funde wie Trensen aus Horn, Bronze und Eisen gezeigt und die Entwicklung vom Wildpferd zum Nutztier erklärt.
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Anatomie & Exterieur: Ein starker Fokus liegt auf der Biologie. Doppelseitige Darstellungen zeigen detailliert das Pferdeskelett im Vergleich zum lebenden Pferd („Exterieur“). Auch spezifische Details wie Kopfformen (Ramskopf, Hechtkopf, Keilkopf) und Fellfarben (Rappe, Schimmel, Fuchs, Isabell etc.) werden fachlich korrekt benannt.
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Rassen & Typen: Es wird unterschieden zwischen Kaltblütern (den „Muskelprotzen“ für die Arbeit, z.B. im Wald) und Vollblütern/Sportpferden.
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Nutzung & Reitkultur: Neben der Arbeit im Forst oder auf dem Feld widmet sich das Buch auch den reiterlichen Traditionen. Besonders hervorzuheben sind die Kapitel über Reiterspiele der Steppenvölker (z.B. „Buskatschi“ oder „Alaman-baiga“), die eine globale Perspektive einbringen.
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Praxis: Kurze Anleitungen, wie z.B. das „Richtige Aufsitzen“, schlagen die Brücke zum Reitsport.
3. Visuelle Gestaltung & Illustration
Die Seele des Buches sind die Illustrationen von Reiner Zieger (bekannter DDR-Tierzeichner, u.a. auch für Briefmarken-Motive bekannt).
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Stil: Naturalistisch und dynamisch. Zieger verzichtet auf Verniedlichung. Die Pferde sind anatomisch präzise gezeichnet.
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Dynamik: Besonders die Darstellung von Bewegung ist meisterhaft. Ob galoppierende Herden oder das Gedränge beim Buskatschi-Spiel – die Bilder vermitteln Kraft und Geschwindigkeit.
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Technik: Eine Mischung aus feinen Bleistift-/Tuschezeichnungen (für technische Details wie Knochen oder Zäumung) und großflächigen, kolorierten Zeichnungen (Aquarell/Mischtechnik) für die Szenenbilder.
4. Pädagogischer Anspruch & Sprache
Der Text von Karlheinz Gleß ist fordernd und informativ.
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Niveau: Das Buch „duzt“ den Leser zwar nicht herablassend, nutzt aber Fachbegriffe (Kruppe, Widerrist, Gamschen, Zuchtlinien) ganz selbstverständlich. Es traut dem jungen Leser (ab 10 Jahren) zu, komplexe Zusammenhänge zu verstehen.
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Zielsetzung: Es geht um Wissensvermittlung. Das Buch erfüllt den Bildungsauftrag der DDR-Literatur, naturwissenschaftliche und historische Bildung breit zugänglich zu machen.


