Bibliografische Daten
-
Autor: Wolfgang Schreyer
-
Titel: Fremder im Paradies
-
Erstausgabe: 1966
-
Verlag: Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale)
-
Genre: Spionageroman / Gesellschaftskritischer Thriller
Handlungsübersicht Die Geschichte spielt in der (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nahen) Zukunft des Jahres 1972 auf der fiktiven britischen Überseebesitzung „Paradise Island“. Der britische Industrietaucher Danny Wolfe wird vom Geheimdienstoffizier Commander Scott reaktiviert, um den US-amerikanischen Hydroarchäologen Ray Victor zu beschatten. Victor steht im Verdacht, die streng geheime militärische Unterwasser-Versuchsstation „June“ auszuspionieren.
Während seiner Ermittlungen unter Wasser und an Land stellt Wolfe fest, dass Victor tatsächlich ein Spion ist, der es auf eine technologische Neuentwicklung (eine künstliche Kieme) abgesehen hat. Gleichzeitig deckt Wolfe jedoch ein weitaus größeres Geheimnis seiner eigenen Auftraggeber auf: Die britische Marine nutzt die Sperrzonen, um heimlich das wertvolle Beryllium-Erz Bertrandit vom Meeresgrund abzubauen und auf britische Frachtschiffe zu verladen.
Durch den Kontakt zu der Einheimischen Anja Conway, die verdeckt für die aufständische Befreiungsfront der Insel arbeitet, wird Wolfe mit den verheerenden Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung und der brutalen militärischen Niederschlagung von Protesten konfrontiert. Infolge dieser Erkenntnisse verweigert Wolfe den Gehorsam gegenüber der britischen Marine und entscheidet sich, die Unabhängigkeitsbestrebungen der Inselbewohner mit seinem technologischen Wissen zu unterstützen.
Zentrale Themen und Motive
-
Neokolonialismus und Ressourcenausbeutung: Der Roman thematisiert detailliert den Kampf um Rohstoffe (Tiefseebergbau) und die wirtschaftliche Ausbeutung von Überseegebieten durch westliche Großmächte und internationale Monopole.
-
Technologischer Realismus: Schreyer beschreibt präzise die Tauch- und Unterwassertechnologie der 1960er Jahre (u.a. Gasgemische, künstliche Delphinhaut, Dekompression). In einer Nachbemerkung ordnet der Autor diese Technologien explizit nicht als Utopie, sondern als bereits realisierbare, militärisch genutzte Wissenschaft ein.
-
Geheimdienst-Paranoia: Das Buch zeichnet ein kritisches Bild der Spionageabwehr. Es demonstriert, wie das ständige Misstrauen und die nachrichtendienstliche Täuschung die handelnden Personen psychologisch isolieren und moralisch korrumpieren.
Einordnung „Fremder im Paradies“ ist ein charakteristisches Werk der DDR-Literatur der 1960er Jahre, das die Form des westlichen Agentenromans nutzt, um anti-imperialistische und kapitalismuskritische Positionen zu transportieren. Der Roman richtet sich an Leser, die sich für historische Spionageliteratur, maritime Technologie und zeitgeschichtliche politische Konflikte interessieren.


