Titel: Burgen stolz und kühn Reihe: Schlüsselbücher Autorin: Christiane Bimberg Illustrator: Thomas Binder Verlag: Altberliner Verlag, Berlin Erscheinungsjahr: 1990 (5. Auflage; Copyright 1986)
Inhalt und Thematik
Das Sachbuch widmet sich der Geschichte und Funktion europäischer Wehranlagen und Burgen. Es beleuchtet den evolutionären Weg der Festungsbaukunst – von den römischen Limes-Anlagen über frühe hölzerne Palisadendörfer und Motten (Turmhügelburgen) bis hin zu den massiven Steinburgen des Hochmittelalters. Die Publikation deckt dabei mehrere inhaltliche Schwerpunkte ab:
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Architektur und Bautechnik: Erklärung von Ringmauern, Bergfried, Palas, Zwinger und Vorburg.
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Handwerk und Arbeit: Detaillierte Darstellung der Bauphasen, inklusive der Nutzung von historischen Kränen, Flaschenzügen, Gerüsten und den spezifischen Werkzeugen der Steinmetze und Zimmerleute.
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Alltagsgeschichte: Einblicke in das autarke Leben innerhalb der Burgmauern, von der Vorratshaltung im Kornhaus über die Stallungen bis hin zur Zubereitung von Speisen in den großen Küchenanlagen.
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Militärische Funktion: Darstellung von Belagerungssituationen, Angriffs- und Verteidigungstaktiken.
Visuelle Gestaltung und Illustration
Ein zentrales Merkmal des Buches sind die großformatigen und oftmals doppelseitigen Aquarell- und Tuschezeichnungen von Thomas Binder.
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Schnittzeichnungen: Komplexe Gebäude und Burganlagen werden im Querschnitt dargestellt. Dies ermöglicht dem Betrachter einen simultanen Blick auf die äußere Architektur und das innere Geschehen in den verschiedenen Räumen und Etagen.
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Wimmelbild-Charakter: Die Illustrationen zeichnen sich durch eine hohe Informationsdichte aus. Zahlreiche parallel ablaufende Handlungen und Arbeitsvorgänge werden in einem Bild vereint.
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Sachliche Präzision: Werkzeuge, Rüstungen, Kleidung und architektonische Details entsprechen dem historischen Kenntnisstand und sind realistisch, jedoch kindergerecht wiedergegeben.
Didaktischer Ansatz
Der Text von Christiane Bimberg ist erklärend, chronologisch aufgebaut und in einer verständlichen, sachlichen Sprache verfasst. Das Buch verzichtet auf eine romantisierende Darstellung des Rittertums. Stattdessen liegt der Fokus stark auf der gesellschaftlichen Realität des Mittelalters, insbesondere auf der Arbeitsleistung des einfachen Volkes und der Handwerker, die für den Bau und den Erhalt der Anlagen verantwortlich waren.
Buchhistorischer Kontext
Das Werk ist Teil der Reihe „Schlüsselbücher“ des Altberliner Verlags, die in der DDR für ihren hohen pädagogischen, wissenschaftlichen und buchgestalterischen Anspruch bekannt war. Das vorliegende Exemplar (5. Auflage, 1990, gedruckt im Sachsendruck Plauen) dokumentiert zudem die Publikationsgeschichte in der Wendezeit.


