Bibliografische Daten
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Titel: Adler, Kiebitz, Storch und Schwan
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Autor und Illustrator: Johannes Breitmeier
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Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin (DDR)
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Erscheinungsjahr: 1988 (1. Auflage)
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ISBN: 3-358-01008-2
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Herstellung: Grafischer Großbetrieb Sachsendruck Plauen
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Altersempfehlung: Für Leser von 10 Jahren an
Inhaltliche Struktur und Schwerpunkte Das Buch zeichnet sich durch einen systematischen und pädagogisch anspruchsvollen Aufbau aus, der weit über ein einfaches Bilderbuch hinausgeht:
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Grundlagen der Ornithologie: Zu Beginn werden grundlegende anatomische Kenntnisse vermittelt. Detaillierte Grafiken benennen die Körper- und Gefiederpartien eines Vogels exakt und veranschaulichen die verschiedenen Schnabelformen von Greifvögeln im Verhältnis zu ihrer Ernährungsweise.
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Biologische Systematik: Die vorgestellten 60 Vogelarten werden in einer Übersicht wissenschaftlich korrekt nach Ordnungen und Familien gegliedert.
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Phänologie: Ein übersichtliches Balkendiagramm visualisiert die Ankunfts- und Abflugzeiten der vorgestellten Zugvögel über den Jahresverlauf.
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Detaillierte Artporträts: Jede Art (u. a. Weißstorch, Haubentaucher, Mäusebussard, Waldohreule, Großtrappe, Steinschmätzer und Blauracke) wird ausführlich beschrieben. Die Texte behandeln Lebensraum, Balzverhalten, Brutpflege, Nahrungsbeschaffung und Zugverhalten in einem altersgerechten, aber fachlich tiefgehenden Vokabular.
Illustration und visuelle Gestaltung Johannes Breitmeier nutzt realistische Aquarelle und Federzeichnungen, die sich durch eine hohe Detailtreue auszeichnen. Die Tiere werden nicht anthropomorphisiert (vermenschlicht), sondern in ihren natürlichen Verhaltensweisen und Habitaten abgebildet – vom Raubwürger, der seine Beute auf einen Dorn aufspießt, bis zum imposanten Balzverhalten der Großtrappe.
Zeitgeschichtliche und ökologische Relevanz Das Buch nimmt eine besondere Stellung in der DDR-Kinderliteratur ein, da es umweltpolitische Probleme der 1980er Jahre explizit thematisiert. In eigenen Kapiteln zum Vogelschutz sowie in den einzelnen Artporträts wird der Rückgang von Vogelpopulationen analysiert. Ursachen wie die Begradigung von Gewässern, die intensive Landwirtschaft, Flurbereinigungen und der Einsatz von Chemikalien werden klar benannt. Besonders drastisch wird dies am Beispiel der Blauracke illustriert, deren Bestandsrückgang in der DDR von über 100 Brutpaaren (1961) auf lediglich 5 Brutpaare (1987) exakt dokumentiert wird. Das Buch erfüllt somit neben der reinen Wissensvermittlung einen starken Appell zur aktiven Naturbewahrung.


