Ein hellbraunes Reclam-Heft mit schwarzem Druck, Garamond-Antiqua, gesetzt im Grafischen Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, Bestellnummer 661 0015 — die zweite Auflage von 1985 fiel ins große Gedenkjahr zum vierzigsten Jahrestag der Kapitulation. Was sie enthält, ist eine der ungewöhnlichsten Tagebuch-Editionen, die in der DDR als Massendruck erschienen.
Konstantin Simonow, Frontkorrespondent der Krasnaja Swesda, hatte seine Notizen aus vier Kriegsjahren über Jahrzehnte überarbeitet, durch öffentliche Selbstkorrekturen ergänzt und mit Briefen von Überlebenden verschnitten, die ihm nach Zeitschriftenveröffentlichungen geschrieben hatten. So entstand kein Tagebuch im engeren Sinn, sondern ein dreischichtiger Text: unmittelbare Frontnotiz, Selbstkorrektur Jahrzehnte später, Originalstimmen von Mitbeteiligten. Das Fahrermädchen Pascha vom Siwasch wird Jahre später als Praskowja Anoschtschenko wiedergefunden und schreibt ihre Lebensgeschichte. Ein Veteran aus dem Kursker Bogen 1943 meldet sich Jahrzehnte später aus der Region Primorje — und Simonow notiert, er habe ihn damals einen Buchstaben falsch geschrieben, der Veteran wiederum ihn vom Oberstleutnant zum Hauptmann degradiert.


