Inhalt: Das Sachbuch fragt, warum es in der sozialistischen DDR überhaupt Straftaten von Jugendlichen gibt, und antwortet mit einem Gang durch Rechtsgeschichte, Ursachenlehre und Fallgeschichten. Es beginnt mit einer Erfolgsbilanz in Zahlen: 1985 seien es in der DDR 0,68 Straftaten je 100 Einwohner gewesen, in der BRD 6,91, eine Quelle nennt der Text nicht. Dann erklärt es Recht als Instrument der jeweils herrschenden Klasse und führt Kriminalität auf Reste der alten Gesellschaft und auf westliche Einflüsse zurück. Es folgen Vorbeugung durch gesellschaftliche Kräfte, Eigentumsdelikte und ein längerer Abschnitt zur Kriminaltechnik: Fluoreszenzpulver, Abdruckspuren, Infrarotkameras in Vogelhäuschen, ein angebissener Apfel als Spur. Das Inhaltsverzeichnis nennt 13 Kapitel mit Titeln wie „Macht bestimmt das Recht!“, „Ein Rowdy ist selten allein!“ und „Von 20 Jahren bis lebenslänglich!“. Die Angaben zum Inhalt beruhen auf den Seiten 5 bis 69 und dem Inhaltsverzeichnis. Der Ton ist belehrend, mit Fallbeispielen und gelegentlich trockenem Humor. Ein Kreisdiagramm, Grafiken und Schwarzweißfotos ergänzen den Text.
Autor: Werner Queißer. Zur Person ist nichts Belastbares zu finden. Das Impressum nennt als Bildquellen das Archiv des Autors (3 Fotos) und die Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Dresden, Abteilung Kriminaltechnik (9 Fotos). Welche Stellung der Autor hatte, lässt sich daraus nicht ablesen. Illustrationen: Grafiken von Karl-Heinz Döring; Einband und Kapitelfotos von Wolfgang Gebhardt.
Historischer Kontext: Der Verlag Neues Leben wurde 1946 in Ost-Berlin gegründet, stand der FDJ nahe und war auf Jugendliteratur spezialisiert. Die Erstausgabe erschien 1983, diese zweite, überarbeitete Auflage 1988 (Redaktionsschluss 31. Juli 1987). Zur Auflagenhöhe und zur Verwendung in Schule oder Betrieb gibt es keine belegten Angaben. Der Titel spielt auf einen Rechtsbegriff an: Das Strafgesetzbuch der DDR von 1968 kannte in § 215 den Tatbestand „Rowdytum“ mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Er war weit gefasst und wurde auch gegen nonkonforme Jugendliche eingesetzt. Ob und wie das Buch darauf eingeht, ist im ausgewerteten Ausschnitt nicht zu erkennen.
Was dieses Buch heute interessant macht: Als Kriminologie ist es wenig belastbar, weil Zahlen und Fälle nicht zu prüfen sind. Als Zeitdokument ist es ergiebig. Auf Seite 29 heißt es: „Der insgesamt schon erfolgte Rückgang strafbarer Handlungen seit Bestehen unserer Republik ist der Beweis für die Richtigkeit dieser Feststellungen.“ Die Beweisführung dreht sich hier im Kreis, und genau das lässt sich an dem Buch gut studieren. Auf Seite 38 räumt der Text dagegen ein, dass ständig wiederholte Argumente Jugendliche eher abstoßen. Für Zeithistoriker und Zeitzeugen mit Bezug zu Jugendarbeit, Schule oder Ehrenamt ist der Abgleich von Formel und Erfahrung der Reiz. Sammler später Aufklärungs- und Ratgeberliteratur bekommen einen Band mit auffälligem Einband: das Foto eines abgewandten Jugendlichen, dazu ein gelber Titel.
Ausgabe: Verlag Neues Leben, Berlin, 1988. 2., überarbeitete Auflage (© 1983). Pappband, 184 Seiten, ISBN 3-355-00614-9, DDR-Bestellnummer 643 569 1, Lizenznummer 303 (305/287/88), LSV 0459. Gedruckt im Karl-Marx-Werk Pößneck (V 15/30), Schrift 10 p Times. Der Innentitel zeigt ein Motorrad-Foto (Lenker mit Instrumenten).
Erhaltungszustand: Gesamtzustand gut. Leichte Gebrauchsspuren, die Ecken sind etwas berieben.










